2. Grundlagen
2.2.1. Allgemeine Studien, die auch den Aspekt der sozialen Kontakte von Bewohnern und der Möglichkeiten der Verbesserung der Kontakte in Einrichtungen der stationären Altenhilfe untersuchen
Die in diesem Abschnitt von uns dargelegten Studien beinhalten folgende für unsere Arbeit relevanten Aspekte: Beschreibung des Aktivitäts- und Kontaktverhaltens der Bewohner, Analyse der aktuellen Lebenssituation der Heimbewohner, wobei hier die Belastungs- und Problemsituationen der Bewohner im Zentrum der Betrachtung liegen und eine Zusammenfassung von verschiedenen Interventions- und Verbesserungsvorschlägen für Heimbewohner bezüglich ihrer Lebenssituation.
Schmitz-Scherzer, Schick und Kühn (1978) stellen in ihrer Studie unter anderem dar, wie es um das Aktivitäts- und Kontaktverhalten der Braunschweiger Bewohner bestellt ist, die in Einrichtungen der stationären Altenhilfe leben.
Diese Untersuchung basiert auf in 20 verschiedenen Heimen unterschiedlichen Typs durchgeführten standardisierten Interviews (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 28). Leider werden die Ergebnisse nicht durchgängig nach den einzelnen Heimtypen differenziert dargestellt, was jedoch angesichts unterschiedlicher Rahmenbedingungen in den Heimen unserer Meinung nach erforderlich gewesen wäre. So wäre zu erwarten, dass die Ergebnisse sehr stark variieren, je nachdem ob es sich um ein Wohnheim, ein Pflegeheim oder um ein Altenheim handelt. Befragt wurden insgesamt 1002 Bewohner und 147 Angehörige des Personals, sowie in jedem Heim die Heimleitung (ebd.). Die Ergebnisse der einzelnen Befragungsgruppen wurden in der Untersuchung getrennt voneinander vorgestellt. Wir konzentrieren uns jedoch auf die Ergebnisse, die aus der Befragung der Bewohner resultierten, da wir selbst bei unserer empirischen Untersuchung die Personalkomponente nicht vordergründig berücksichtigt haben. Zudem wird in dieser Studie die Problematik verdeutlicht, dass das Personal nicht immer in der Lage ist, verschiedene Situationen realistisch zu beurteilen. Mit einer mangelnden Ausbildung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fehleinschätzung des Aktivitäts- und Kontaktverhaltens der Bewohner vom Personal getroffen wird (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 63). Dieser Umstand würde es uns ebenfalls erschweren, die Ergebnisse aus der Personalbefragung einzubeziehen.
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie zu den Themenbereichen Aktivitäten und Kontakte zusammengefasst dargestellt. Die befragten Bewohner nutzen die vom Heim aus angebotenen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sehr unterschiedlich:
Knapp 30 % der Bewohner nahmen immer an den angebotenen Veranstaltungen teil. 23,2 % gaben an, meistens am Programm teilzunehmen. Selten an den Veranstaltungen nahmen hingegen 14,7 % der Bewohner teil und ganze 23,8 % nahmen sogar so gut wie nie das Angebot wahr (ebd.: 70).
Die Bewohner, die selten oder so gut wie nie das Heimangebot nutzten, wurden im Rahmen dieser Studie aufgefordert, ihre geringe Teilnahmebereitschaft zu begründen. 56,5 % der Bewohner nannten gesundheitliche Probleme, die es ihnen nach eigenen Angaben nicht ermöglichten, am Programm teilzunehmen. Die zweithäufigste Begründung war, die 17,8 % der Bewohner nannte, dass diese mit eigenen Beschäftigungen und Kontakten ausgelastet waren. Störend empfanden 8,4 % der Bewohner bestimmte Persönlichkeitseigenschaften der anderen, wie z.B. Menschenfeindlichkeit und Streitsüchtigkeit. Mit dem Angebot unzufrieden waren 6,6 % und noch 6,4 % gaben als Begründung ein allgemeines Desinteresse an (ebd.). An dieser Stelle sei angemerkt, dass die hier genannten Begründungen von den Bewohnern in keiner Weise von den Autoren reflektiert wurden. Unserer Ansicht nach eignen sich standardisierte Verfahren als alleinige Erhebungsmethode für die Befragung von Heimbewohnern im Fall der Ursachenforschung weniger gut, da es durch sie kaum möglich ist, wie in diesem Beispiel den tatsächlichen Ursachen für die mangelnde Teilnahmebereitschaft an dem von der Einrichtung angebotenen Aktivitätsprogramm nachzugehen bzw. deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die Angabe, dass die in der Studie befragten Bewohner nicht an dem Angebot teilnahmen, weil sie mit eigenen Beschäftigungen und Kontakten ausgelastet waren, erscheint fraglich, da Heimbewohner sehr viel Zeit zur freien Verfügung haben. Allerdings darf man nicht vergessen, dass diese Studie einen anderen Untersuchungsschwerpunkt im Vergleich zu unserer Arbeit hat und von daher ist es nicht unser Anliegen, die methodische Vorgehensweise prinzipiell zu kritisieren. Neben der Vergegenwärtigung der Teilnahmebereitschaft der Bewohner an den Heimangeboten wurden auch tendenzielle Tätigkeitsverschiebungen, die durch den Heimeinzug bedingt waren, erfasst. Aktive Tätigkeiten bzw. Tätigkeiten, bei denen man mit anderen Menschen in Kontakt tritt, nahmen nach dem Heimübergang ab, z.B. Briefe schreiben (40,8 %), Besuche tätigen (61,7 %), Ausflüge tätigen (61,5 %), Besuche empfangen (57,4 %) und Spazierengehen (44,5 %). Gleichzeitig konnte bei nahezu der Hälfte der interviewten Bewohner (43,8 %) zunehmendes Untätigsein und Gedankennachhängen festgestellt werden (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 71).
Trotz des zunehmenden Aktivitätsrückzugs empfand die Mehrheit der in Braunschweig befragten Bewohner die Kontaktsituation zu den Mitbewohnern als gut. Über 75 % der Bewohnerschaft empfand die Kontakte als sehr gut bis einigermaßen gut. Dagegen beurteilten 12,2 % die Kontakte als mittelmäßig und nur 6,9 % der Bewohner beurteilten die Kontakte als schlecht (ebd.: 72).
Auch bei dieser Frage wurden die Bewohner, die sich weniger glücklich über die derzeitige Kontaktsituation geäußert hatten, gebeten, die dafür verantwortlichen Gründe zu nennen. 20,4 % der Bewohner kamen mit den Bildungs- und Interessensunterschieden nicht zurecht. Die Neugier der anderen Bewohner und dass im Heim zuviel getratscht wird, kritisierten 13,4 % der Bewohner. 10,8 % fühlen sich ausgegrenzt, da sie glaubten, von den anderen Bewohnern übersehen zu werden. Allerdings gaben nur 3,7 % der Bewohner an, dass sie sich an den Persönlichkeitseigenschaften der anderen Bewohner stören, z.B. dass einige sehr zurückgezogen leben (ebd.).
Es stellte sich im Verlauf der Studie heraus, dass überwiegend Angehörige sozial niederer Schichten in Heimen älteren Baujahrs leben, die häufiger Mängel an räumlichen Gegebenheiten aufweisen, wo im Durchschnitt weniger gut ausgebildetes Personal beschäftigt wird, welches häufiger restriktive Verhaltenweisen an den Tag legt und wo die Beschäftigungsangebote tendenziell geringer ausfallen. Durch wesentlich schlechtere Rahmenbedingungen neigen nach diesen Ergebnissen insbesondere Bewohner aus ärmeren sozioökonomischen Verhältnissen, die überwiegend aus Ermangelung eines finanziellen Spielraums in solchen Heimen leben, eher zu psychischer und sozialer Passivität (ebd.: 90).
Ein Fazit aus der Studie lautet, "dass es vor allem soziale, psychologische, ökonomische und gesundheitliche Momente sind, die das Verhalten institutionalisierter Personen gravierend beeinflussen" (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 90). Die Autoren lenken aber selbst ein, dass es nicht immer möglich ist, eindeutig festzustellen, auf welches dieser Momente das erfasste Verhalten der Bewohner eindeutig zurückzuführen ist. Es ist ihnen nicht gelungen, durch Datenvergleiche genaue Resultate zu erzielen, die erklären, ob das Verhalten der Bewohner "auf die materielle und/oder die personelle Infrastruktur der Institutionen oder auf die gesundheitliche und/oder sozioökonomische Situation der befragten Bewohner selbst zurückgeht" (ebd.: 89).
Zum Ende der Studie werden verschiedene politische Maßnahmen bzw. Forschungsanregungen genannt, die die Lebensqualität von älteren Menschen in Heimen verbessern sollen. Darauf werden wir aber erst am Ende dieses Abschnitts eingehen, da die in den einzelnen Studien identifizierten Maßnahmen für unsere Arbeit zweitrangig von Interesse sind.
In der Studie von Kruse et al. (1992) "Konflikt- und Belastungssituationen in stationären Einrichtungen der Altenhilfe und Möglichkeiten ihrer Bewältigung" werden neben den bereits genannten Begründungen aus der vorherigen Studie weitere genannt, die Heimbewohner angeben, warum sie die Kontaktsituation zu den Mitbewohnern teilweise eher als unbefriedigend beurteilen.
Im Zuge dieser Studie wurde die Feldforschung in den verschiedensten Heimtypen der stationären Altenhilfe durchgeführt. Es wurden 137 Altenheimbewohner, 78 Pflegeheimbewohner und 26 Wohnheimbewohner aus insgesamt 26 Einrichtungen in 7 Bundesländern mit Hilfe eines halbstandardisierten Explorationsleitfadens befragt (Kruse et al. 1992: 13, 23). Diese Studie eignet sich ganz gut, um einen Überblick über potentielle Probleme zu erhalten, die überwiegend aus dem gemeinschaftlichen Zusammenleben in Einrichtungen der stationären Altenhilfe resultieren können. Der Vorteil dieser Studie ist, dass die einzelnen Problempunkte tiefgehender als bei anderen Studien behandelt werden, wodurch diese Studie, auch wegen ihres Explorationscharakters, für uns an Relevanz gewinnt.
Das Leben in einer stationären Einrichtung gestaltet sich für die Altenheimbewohner nicht immer als ein harmonisches Zusammenleben. Die Untersuchung versucht Belastungssituationen zu benennen, die den Umgang der Bewohner untereinander erschweren und als Folge vielleicht auch verhindern können.
Eine große Belastung stellt die Konfrontation mit verwirrten Heimbewohnern dar. Die Beobachtung psychischer Veränderungen der Mitbewohner stellt eine weitaus größere Belastung für die Bewohner dar als die Beobachtung schwerer organischer Funktionseinbußen. Die häufigsten Reaktionen der Bewohner auf die Wesensveränderungen der anderen Bewohner sind Betroffenheit und Unverständnis. Die meisten Bewohner sind nicht in der Lage, sich mit den psychisch erkrankten Bewohnern auseinander zu setzen Das könnte einerseits daran liegen, dass die Bewohner nicht wissen, wie man mit dem befremdlichen Verhalten der anderen umgehen soll, und andererseits verspüren sie Angst bei dem Gedanken, dass auch sie früher oder später an Altersdemenz erkranken könnten (Kruse et al. 1992: 61ff.).
Die Bewohner beklagen darüber hinaus den Umstand, dass selbst unter den noch "fitten" Bewohnern nicht ausreichend persönliche Kontakte bestehen und somit nur ie wenigsten einen adäquaten Gesprächspartner in einem der Mitbewohner gefunden haben (ebd.: 65ff.). Kruse (1992) benennt dazu verschiedene Ursachen, die den Sozialkontakten der Heimbewohner untereinander entgegenstehen können.
Einige der Bewohner stören sich an der Einseitigkeit der Gesprächsthemen und ein Teil der Bewohner begründet damit sogar ihr Verhalten, warum sie den Kontakt zu den Mitbewohnern nicht versuchen zu intensivieren. Allerdings kommt es häufig erst gar nicht zur Kontaktaufnahme, weil die Bewohner entweder Angst haben, sie könnten jemand anderen belästigen oder sie machen sich Sorgen, sie könnten abgewiesen werden. Ein weiteres Problem stellt die Angst vor Gerede und Getratsche im Heim dar, und von daher ziehen sich viele Bewohner lieber zurück, bevor sie sich dieser Gefahr aussetzen.
Die Heimbewohner sind in der Regel gefestigte Persönlichkeiten mit verschiedenen Interessen und Divergenzen in Bildung und Lebensgewohnheiten und nicht mehr so kompromissbereit, wie z.B. ein junger Mensch. Dieser Punkt scheint für viele Heimbewohner eine Barriere darzustellen, die es zu überwinden gilt, um sich prinzipiell auf Mitbewohner einzulassen und einstellen zu können (ebd.).
Die Problematik der Rückzugstendenzen, die aus verschiedenen Belastungs- und Konfliktsituationen der Bewohner resultieren, wird im Folgenden genauer beleuchtet.
Kruse (1992) liefert eine Begründung für die existenten Rückzugstendenzen der Bewohner indem er erläutert, warum einige Bewohner keine Sozialkontakte zu Mitbewohnern schließen, obwohl der Wunsch nach ihnen besteht. Seine Begründung stützt sich auf die Annahme, dass ein wesentlicher Teil der Bewohner vor dem Heimeinzug über viele Jahre hinweg in einem festen familiären Beziehungsnetz eingebunden war oder die Bewohner sogar ganz für sich alleine lebten und sich so für längere Zeit nicht um Kontakte bemühen mussten, dadurch auch lange Zeit keine Eigeninitiative entwickelt haben, wodurch die Bewohner einen Teil der sozialen Fähigkeiten verlernt haben könnten, die unabdingbar für den Aufbau von zufrieden stellenden Kontakten sind. An dieser Stelle sind die Mitarbeiter einer Einrichtung gefordert, durch Gespräche und Aktivitäten soziale Techniken den Bewohnern wieder näher zu bringen (Kruse et al. 1992: 67). Einige der befragten Bewohner stören sich an der Interesse- und Initiativlosigkeit der anderen Bewohner, denn die Mitbewohner versuchen, zurückgezogen zu leben, indem sie Unternehmungen meiden und ihr Desinteresse an dem Leben anderer Menschen täglich gegenüber den anderen demonstrieren. Durch diese wahrgenommene Belastung wird für Kruse erklärbar, "dass das Fehlen anregender Veranstaltungen und adäquater Gesprächspartner oft betont wird" (ebd.: 68).
Es ist eine Tatsache, dass Konflikte und Streitigkeiten nicht ausbleiben, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben. Im Fall der Heimbewohner nehmen diese diesen Umstand des erhöhten Konfliktpotentials als eine besonders große Belastung wahr, der sie versuchen so häufig wie möglich auszuweichen, indem sie sich auf das eigene Zimmer zurückziehen. Demzufolge werden vor allem solche Konflikte als besonders belastend erlebt, denen die Bewohner nicht ausweichen können, z.B. Auseinandersetzungen mit dem Zimmernachbarn oder mit dem Tischnachbarn, beispielsweise im Fall einer festen Sitzordnung (Kruse et al. 1992: 69f.).
Man könnte vermuten, dass die Männer unter den Heimbewohnern eher dazu neigen, sich zurückzuziehen, da Kruse (1992) herausgefunden hat, dass sich die Männer in der Mehrheit noch stärker isoliert fühlen als die Frauen, weil es für sie noch schwieriger ist, gleichgeschlechtliche Kontakte aufzubauen, aufgrund des Ungleichgewichts des Geschlechterverhältnisses in der Bewohnerstruktur. Ebenso empfinden die männlichen Bewohner das mangelnde Angebot an männeradäquaten Veranstaltungen als ziemlich belastend. Gegenüber den folgenden Vorschlägen an männeradäquaten Veranstaltungen haben die befragten Bewohner Interesse geäußert: Kegelabende, Schachspiele, politische Vorträge mit anschließender Diskussion oder gemeinsame Fußballabende vor dem Fernsehgerät (Kruse et al. 1992: 71).
Auch die Interventions- und Verbesserungsvorschläge, die aus dieser Studie resultieren, werden wir ebenfalls am Ende des Abschnitts zusammentragen, wobei diese Maßnahmen im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Studien ziemlich umfassend sind und am meisten konkretisiert werden.
In Anbetracht dieser Ergebnisse stellt sich die Frage, wie viele Bewohner nun tatsächlich wie häufig Sozialkontakte zu ihren Mitbewohnern pflegen. Die überwiegend positive Beurteilung der Kontaktsituation von mehr als ¾ der Bewohnerschaft (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 72) lässt die Schlussfolgerung zu, dass dementsprechend eine relativ hohe Kontaktfrequenz zwischen den Bewohnern zu erwarten ist. Diese Schlussfolgerung könnte im Widerspruch zu den zahlreichen bereits genannten Belastungssituationen stehen, die die Sozialkontakte zwischen den Heimbewohnern verhindern oder zumindest erschweren können.
Im Rahmen der Untersuchung der Projektgruppe Altenhilfe der Fachhochschule Magdeburg wurden insgesamt 133 Heimbewohnerinnen aus zwei Altenpflegeheimen in Magdeburg unter Verwendung eines Interviewleitfadens zu ihrer Zufriedenheit mit der Lebenssituation befragt (Albrecht 1997: 57). Ziel der Studie war es, die Bedürfnisse älterer Menschen zu ergründen, um so einen Beitrag für die Altenhilfeplanung und zur Gestaltung von Heimwelten zu leisten (ebd.: 2).
Albrecht (1997) geht davon aus, dass Menschen Freunde und gute Bekannte brauchen, um zufrieden zu sein. Aus diesem Grund wurden die Bewohnerinnen auch zu ihrem Verhältnis zu den Mitbewohnerinnen befragt. Die Frage, ob man im Heim Freunde oder gute Bekannte gefunden hat, konnten 51,3 %9 der Heimbewohnerinnen bejahen (ebd.: 91). Als ein Ergebnis gibt Albrecht an, dass drei Gruppen unter den Heimbewohnerinnen stark von Einsamkeit bedroht sind: Die Bettlägerigen, die an Altersdemenz Erkrankten und die Neuankömmlinge (Albrecht 1997: 97).
Die weitere Ergebnispräsentation der Studie bewerten wir für uns als wenig brauchbar, da sie zu allgemein gehalten ist und uns keinen Zugewinn an Informationen ermöglicht. Beispielsweise wurden folgende Ergebnisse vorgestellt: Ungefähr die Hälfte der Bewohner hat im Heim gute Freunde oder Bekannte gefunden, die anderen nicht. Die Interviewer konnten im Heim sowohl einen schwierigen und gestörten als auch unkomplizierten Umgang der Bewohner untereinander beobachten. "Das Heim ist eine Gemeinschaft, die sich durch Zufall so zusammengesetzt hat. Dementsprechend sind Sympathien recht unterschiedlich verteilt. Es zeichnet sich ab, dass die Bandbreite der Bewertung von sehr gut bis sehr schlecht reicht. Heimbewohnerinnen haben zum Teil immer, andere nie Kontakt zu ihren Mitbewohnerinnen. Heimbewohnerinnen kommen mit ihren Mitbewohnerinnen uneingeschränkt zurecht, manche haben mit einigen Personen, andere mit ganzen Personengruppen, wieder andere mit allen Mitbewohnerinnen Probleme" (Albrecht 1997: 89f.). Auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Autor selbst seine Studie aufgrund von verschiedenen von ihm benannten Erhebungsproblemen für wenig repräsentativ hält und dass die Daten in zwei recht gegensätzlichen Heimen erhoben und dann in Bezug auf die Ergebnisse in einen Mittelwert zusammengefasst wurden (die jedoch nicht weiter interpretiert wurden), wollen wir darauf verzichten, die weiteren Ergebnisse dieser Studie zu benennen (ebd.: 51).
Wie aber die Wichtigkeit der Sozialkontakte zu den Mitbewohnern im Gegensatz zu den Sozialkontakten zu den Familienangehörigen, Freunden und Bekannten von den Bewohnern bewertet werden, das wird unter anderem in der Studie "Sozialkontakte von Pflegeheimbewohnern innerhalb und außerhalb des Heims" von Rückert (1983) untersucht. "Für die meisten Bewohner sind die Außenkontakte subjektiv am wichtigsten. Insgesamt gesehen ist die Zahl der Kontaktpersonen außerhalb des Heimes nicht so groß und die Besuchshäufigkeit nicht so hoch, dass die Kontaktbedürfnisse von außen befriedigt werden könnten" (Rückert 1983: 29). Hier wird deutlich, welchen Einfluss die Binnenkontakte für die Lebensqualität der Bewohner haben können. Folglich werden Zahlen zur Kontaktfrequenz der Heimbewohner untereinander präsentiert, um aufzuzeigen, wie es um die Kontaktsituation in Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen bestellt ist. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 472 Bewohnern aus 16 verschiedenen stationären Pflegeeinrichtungen der Altenhilfe (ebd.: 26).
Danach haben 53 % der Bewohner regelmäßig Kontakt zu Mitbewohnern derselben Station.10 Weitere 29 % pflegen selten Kontakte mit Mitbewohnern und 15 % haben nie Kontakte zu Mitbewohnern derselben Station (Rückert 1983: 29). Stationsübergreifende Kontakte finden noch weitaus seltener unter den Bewohnern statt. Es haben nur noch 20 % der Pflegeheimbewohner regelmäßig Kontakt zu Bewohnern von anderen Stationen. 25 % unterhalten selten Kontakte mit Bewohnern von anderen Stationen und über die Hälfte der Pflegeheimbewohner pflegen keine Kontakte mit Bewohnern von anderen Stationen (ebd.). Dieser Umstand lässt sich wahrscheinlich auf gesundheitliche Ursachen zurückführen. Die Heimbewohner und im Besonderen Pflegeheimbewohner sind in der Regel weniger mobil und von daher werden in der Regel auch weniger stationsübergreifende Angebote vom Heim geschaffen, die es den Heimbewohnern möglicherweise erleichtern würden, Kontakte zu Mitbewohnern aus anderen Wohnbereichen zu schließen.
Rückert (1983) kommt zu dem Schluss, dass sich die erhobenen Ergebnisse bezüglich der Kontaktfrequenz aus einer Einrichtung nicht ohne weiteres auf andere Einrichtungen übertragen lassen. "Untersuchungen der Hamburger Forschungsgruppe Gerontologie im Altenheimbereich zeigen, dass Art und Ausmaß von Sozialkontakten von Heim zu Heim sehr unterschiedlich sein können, auch wenn die Heime rein äußerlich sehr ähnlich sind" (ebd.: 33).11 Wie häufig bzw. in welcher Intensität Bewohner bereit sind, sich auf soziale Kontakte einzulassen, das hängt nicht nur von der Heimstruktur ab, sondern auch von dem ganz individuellen Kontaktverhalten, welches vom Lebensstil, von den Persönlichkeitsmerkmalen und von den persönlich gesammelten Erfahrungen eines jeden Menschen beeinflusst wird. Ebenso können der Gesundheitszustand, die Umstände des Heimübergangs, der Umgangsstil des Personals und die Bewohnerstruktur die Kontaktbereitschaft der Bewohner spürbar beeinflussen. Rückert weist explizit darauf hin, dass der Einfluss des Heimträgers nicht unterschätzt werden darf, weil dieser in der Lage ist, einen bewohnerorientierten Rahmen für das Leben in den Einrichtungen zu schaffen, so dass die Heimbewohner sich wohl fühlen und erleichterten Zugang zu anderen Bewohnern finden können (ebd.: 26).
Im Rahmen der Studie "Möglichkeiten und Grenzen einer selbständigen Lebensführung in Einrichtungen" (Häussler-Sczepan 1998) stand im Forschungsmittelpunkt eine umfassende Analyse der Lebenssituation von Menschen, die in stationären Einrichtungen leben und eine Beschreibung der Qualität von Pflege und Betreuung. Ein weiteres Forschungsziel bestand darin, Kriterien für die Formulierung von Pflege- und Betreuungsstandards zu entwickeln (Häussler-Sczepan 1998: 16). Diese umfassende Untersuchung "erfordert eine Vielfalt an wissenschaftlichen Herangehensweisen und Methoden und mündet daher in eine Summe von Einzelprojekten und -studien" (ebd.: 28).
Bei dieser noch relativ jungen Untersuchung handelt es sich zudem um ein Kooperationsprojekt zwischen der Gerontologie und der Behindertenforschung. Auf die Ergebnisse des Untersuchungsschwerpunktes "Behinderte Menschen" werden wir nicht weiter eingehen. Zudem werden in jedem Untersuchungsschwerpunkt die Ergebnisse aus zwei Perspektiven, aus der Bewohnerperspektive und der Mitarbeiterperspektive, dargelegt.
Für den Untersuchungsschwerpunkt "Ältere Menschen" wurden unter anderem 20 Altenheime aus der ganzen Bundesrepublik ausgewählt, in denen eine einwöchige Intensiverhebung12 durchgeführt wurde (Häussler-Sczepan 1998: 30, 63). Im Rahmen der Bewohnerperspektive wurde u. a. erfragt, "wie die Selbstständigkeit der Bewohner/innen unterstützt und gefördert wurde und in welchen Bereichen selbst bestimmtes Handeln und Leben möglich war. Schließlich wurden Belastungssituationen der Bewohner/innen und ihre Bewältigungsstrategien erfragt" (ebd.: 63). Diese Untersuchung geht nicht direkt darauf ein, wie es um die sozialen Kontakte unter den Bewohnern bestellt ist. Ziel dieser Untersuchung ist es in erster Linie, umfassend die Lebenssituation der Bewohner zu analysieren. Die Analyse des sozialen Klimas bietet einige interessante Aspekte.
In Anbetracht der Tatsache, dass eine Vielzahl von Heimbewohnern bereits vor ihrem Heimeinzug sozial isoliert leben, bietet das Leben in einer stationären Einrichtung eine Vielfalt von sozialen Kontaktmöglichkeiten, die eine reale Chance darstellen, neue Beziehungen aufbauen zu können, wobei aber einige Voraussetzungen gegeben sein sollten, womit die Wahrscheinlichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Mitbewohnern erhöht werden kann. "Obwohl ein differenziertes sozialräumliches Angebot eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme und Pflege der Kontakte darstellt, wird das soziale Klima vor allem vom Umgangsstil des Personals und der Bewohnerstruktur beeinflusst" (ebd.: 73).
Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Mitarbeiter zum einen als Vorbild von den Bewohnern wahrgenommen werden und dass sich im Verhalten der Bewohner z.B. im Umgang mit schwächeren Bewohnergruppen, das Verhalten des Personals deutlich widerspiegelt. Zum anderen brauchen die Bewohner zur Anbahnung von Kontakten die Unterstützung von Mitarbeitern, um anfängliche Verhaltensunsicherheiten zu überwinden. Die Mitarbeiter können ein sozial angenehmes Klima stark positiv beeinflussen, z.B. indem sie Gemeinschaftserlebnisse schaffen, in Form von Veranstaltungen oder Ritualen. Eine stark heterogene Bewohnerstruktur bedarf auf Seiten des Personals außerordentlicher Anstrengungen, um ein tolerantes und freundliches Gesamtklima zu schaffen.
Die Problematik einer heterogenen Bewohnerstruktur liegt darin, dass die Bewohner sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben, was zu diversen Belastungssituationen im Alltag der Bewohner führen kann, die nur von gut ausgebildeten Fachkräften verhindert oder gelöst werden können (Häussler-Sczepan 1998). Wenn die einzelnen Maßnahmen vorgestellt werden, die zu einer Verbesserung der Lebens- und Kontaktssituation der Bewohner beitragen sollen, wird darauf noch genauer Bezug genommen.
Saup (1990) stellt im Zuge der Studie "Übersiedelung und Aufenthalt im Alten- und Pflegeheim" fest, dass das Empfinden von Einsamkeit bei gleichzeitiger hoher Bewohnerdichte ein Problem für 34 % der Bewohner darstellt. Belastungen, die durch eine unbefriedigende Kontaktsituation im Heim entstehen, sind unübersehbar (Saup 1990: 17). Beklagt wird ferner der ausgeprägte Rückzug anderer Bewohner in das private Zimmer, die Flüchtigkeit von Kontakten auf den Gängen und in den Treppenräumen sowie ein Mangel an dezentralen, in der Nähe des eigenen Zimmers liegenden, sozial-räumlichen Gelegenheiten (ebd.: 18).
Die erhobenen Daten basieren auf Beobachtungen in 26 Altenheimen und den geführten Interviews mit 35 Bewohnern aus 7 verschiedenen Einrichtungen (ebd.: 17). Es wurden Belastungssituationen benannt, die sich teilweise mit den Ergebnissen aus den bereits schon vorgestellten Studien decken, aber auch den einen oder anderen neuen Aspekt mit einbringen.
Neben der Einsamkeit stellt der Aktivitäts- und Funktionsverlust durch die totale Fremdversorgung für die Heimbewohner eine Belastung dar, weil es den Selbstbestimmungsgrad der eignen Lebensführung stark einschränkt (ebd.: 17). "Als unbefriedigend wird es beispielsweise erlebt, als neu eingezogener Heimbewohner bei den Mahlzeiten im Speisesaal bei unsympathischen Mitbewohnern platziert zu werden. In diesem Zusammenhang wird beklagt, dass territoriale Ansprüche von anderen Bewohnern, einen Wechsel des Sitzplatzes in der Folgezeit erschweren oder verhindern" (ebd.: 17). Die Initiierung von sozialen Kontakten wird während der Mahlzeiten zudem erschwert, da die Situation als anonymer Massenbetrieb wahrgenommen wird. Ebenso wird die erste Konfrontation mit der geregelten Sitzordnung in Gemeinschaftsräumen und Sitzecken als belastend erlebt (ebd.). Es scheint beinahe so, dass jedes Zusammentreffen, welches die Bewohner nicht selber arrangieren, sondern von anderen Personen veranlasst wird, von der Mehrheit der Heimbewohner als problematisch wahrgenommen wird. So gestaltet sich das Wohnen in einem Zweibettzimmer auch nicht immer als einfach. 82 % der Befragten, die in einem Doppelzimmer leben, berichten von starken Beeinträchtigungen ihres Wohlbefindens (ebd.: 19). Den Bewohnern, die in einem Einzelzimmer leben, scheint die Größe und die Möglichkeit zur individuellen Einrichtung des Zimmers von Bedeutung zu sein, da dies darüber entscheidet, ob man sich in den eigenen vier Wänden wohl fühlt oder nicht.
Die Hälfte der befragten Bewohner, die in einem 12- bis max. 15qm-großen Einzelzimmer leben, empfindet die zu geringe Wohnfläche als belastend. Ebenso kommen die Bewohner mit der Ausstattung der privaten Zimmer mit standardisierten heimeigenen Möbeln nicht gut zurecht. Kritisiert haben die Bewohner die begrenzte soziale Anerkennung des Privatbereichs. Die Untersuchung ergab, dass nur in 31 % der Heime das Personal beim Betreten eines Privatzimmers anklopft und die Einwilligung zum Eintritt abwartet (ebd.: 18).
Die Nutzung von Gemeinschaftstoiletten wird den Bewohnern darüber hinaus recht oft zugemutet, wenn man die Untersuchungsergebnisse betrachtet, aus denen hervorgeht, dass nur 27 % der Zimmer mit einer eigenen Toilette ausgestattet sind. Die Problematik liegt darin, dass die Heimbewohner durch die gemeinsame Nutzung von Sanitäranlagen gezwungen sind, einen Teil ihrer Privatsphäre sowie der selbst bestimmten Lebensführung einzubüßen, da sie zum einen immer damit rechnen müssen, bei der Nutzung der Sanitäreinrichtungen gestört zu werden, und zum anderen wird den Bewohnern Kompromissbereitschaft abverlangt, wenn man sich etwas teilt (ebd.: 19).
Nachdem eine Reihe von Belastungssituationen betreffend der Heimbewohner benannt wurde, geht es nun darum, verschiedene Maßnahmen vorzustellen, die den Belastungssituationen entgegenwirken können. Die im Folgenden vorgestellten Interventionsvorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation der Bewohner haben ganz unterschiedliche Ansatzpunkte.
Ein Ansatzpunkt für einige Interventions- und Verbesserungsvorschläge bietet die Organisation von stationären Einrichtungen der Altenhilfe, da eine motivierte Heimleitung, die es als Aufgabe betrachtet, etwas für den Gemeinschaftsgeist im Heim zu tun, eine wichtige Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich die Bewohner im Heim näher kommen und die Gemeinschaftsräume mit Leben erfüllt werden (Lohmann 1970: 141 - 145). Lohmann (1970) stellt beispielsweise fest, dass die Heimleitung allerdings häufig keinen engen Kontakt zu den Bewohnern pflegt, und von daher tut jede Heimleitung gut daran, ein Gremium wie das des Heimbeirates dazu zu nutzen, über Wünsche und Probleme der Bewohnerschaft informiert zu werden, um den Erfolg einzelner Maßnahmen überprüfen zu können. Die Vertreter des Heimbeirates können dazu beitragen, "gute Beziehungen im Heim - sei es untereinander oder zwischen Heimpersonal und Bewohnern - aufrechtzuerhalten. Oftmals werden die älteren Menschen lieber zu einem gleichaltrigen Mitbewohner mit ihren Sorgen gehen, als die Heimleitung ins Vertrauen zu ziehen" (ebd.: 145).
Lohmann (1970) hat sich in ihrer Studie "Die Lebenssituation älterer Menschen in der geschlossenen Altersfürsorge" auch in einem Abschnitt mit den Möglichkeiten zur Erhaltung und Verbesserung der Sozialkontakte der Altenheimbewohner auseinandergesetzt. Diese Thematik wird von zwei verschiedenen Blickwinkeln her untersucht. Im ersten Teil liegt der Fokus der Studie vor allem auf der Erhaltung und Verbesserung der Beziehungen der Bewohner zur Außenwelt. Im zweiten Teil wird versucht aufzuschlüsseln, welche Möglichkeiten es zur Optimierung der sozialen Kontakte unter den Altenheimbewohnern gibt. Die Studie beinhaltet sicherlich einige interessante Aspekte, wo es sich lohnen würde, diese weiter zu prüfen. Allerdings sind die meisten Kriterien zu allgemein formuliert, als dass sich daraus konkrete Maßnahmen ableiten ließen. Diese Studie ist zudem mit Vorsicht zu betrachten, da einige der vorgestellten Vorschläge sich unserer Meinung nach nicht förderlich auf die Lebenssituation der Bewohner von stationären Einrichtungen der Altenhilfe auswirken würden.
Es gibt im Großen und Ganzen vier Bereiche, in denen man ansetzen kann, um die oben genannten Belastungssituationen für die Bewohner weitgehend zu entschärfen.
Erste Maßnahmen können im Personalbereich getroffen werden. Dabei ist es wichtig, dass vor allem der Kontakt zwischen dem Personal und den Bewohnern verbessert wird, z.B. indem auf Bedürfnisse einzelner Bewohner eingegangen und die Privatsphäre der Bewohner geachtet wird, indem das Personal Rückzugstendenzen entgegenwirkt und Hilfestellung bei der Kontaktaufnahme mit anderen Bewohnern anbietet. Genauso sollte das Personal in der Lage sein, verunsicherten Bewohnern zu helfen, wenn sie Belastungen nicht alleine bewältigen können, wie bei Konfrontationen mit Krankheit, Demenz oder Tod. Dazu wäre eine Erhöhung des Personalschlüssels jedoch unabdingbar (Kruse et al. 1992: 115 - 118).
Eine unverzichtbare Maßnahme im Personalbereich besteht auch darin, gute Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen, da qualifiziertes Personal eher in der Lage ist, bewohnerorientiert zu arbeiten und Belastungssituationen weitgehend zu entschärfen. Dadurch könnten viele Probleme im Heimalltag besser bewältigt werden. Darüber hinaus kann nur so gewährleistet werden, dass die Bewohner ausreichend intensiv psychosozial betreut werden (Kruse et al. 1992: 121f., Schmitz-Scherzer et al. 1978: 96, Saup 1990: 21 u. 25, Rückert 1983: 33).
Ein weiterer Verbesserungsvorschlag besteht darin, eine methodische Anleitung für die Rehabilitation physisch und psychisch erkrankter alter Menschen zu erarbeiten, was unserer Ansicht nach wahrscheinlich überflüssig wird, wenn das Personal gut ausgebildet ist. Darüber hinaus bezweifeln wir, dass sich eine methodische Anleitung entwerfen lässt, die sich für jeden Heimbewohner eignen würde (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 95).
Gut qualifiziertes Personal ist auch dahingehend notwendig, um die Angehörigen der Bewohner intensiv in die Lebenswelt integrieren zu können, damit vor allem die Lebensqualität der Bewohner verbessert werden kann. Beispielsweise kann durch die Integration der Angehörigen der Informationsaustausch innerhalb der Institution intensiviert werden (Häussler-Sczepan 1998: 163).
Ein weiterer Bereich, in dem gezielte Maßnahmen vom Heim getroffen werden sollten, bezieht sich rund um das Thema "Heimübergang". Eine gute Vorbereitung auf den Heimübergang ist häufig entscheidend dafür, wie sich das Leben nach dem Heimeinzug für einen Bewohner gestaltet. Aus diesem Grund erscheint eine Veränderung des Heimaufnahmeverfahrens als sinnvoll. Altenheimanwärter und deren Angehörige sollten sich so frühzeitig wie möglich umfassend informieren, um die verschiedenen Vor- und Nachteile der einzelnen Alternativen zu kennen, um diese ausreichend erörtern zu können (Saup 1990: 20f.). Auch Schmitz-Scherzer et al. plädieren für die Erarbeitung eines Ansatzes, der eine ausreichende Vorbereitung auf das Alter für einen Großteil der Bevölkerung ermöglicht (Schmitz-Scherzer et al. 1978: 96). Beide Studien beinhalten leider keine konkreten Vorschläge, wie dieses Ziel erreichbar wäre, anders als in der folgenden Studie.
Der Aufbau von gut funktionierenden Öffentlichkeitsarbeitsabteilungen in den Heimen stellt nach Kruse (1992) einen viel versprechenden Lösungsansatz da. Der Entschluss zum Heimeinzug sollte vom Bewohner selbst getroffen werden. Das Heim sollte sorgfältig ausgewählt und auf die eigenen Bedürfnisse so gut wie möglich abgestimmt werden. Die Möglichkeit einer frühen Kontaktaufnahme mit dem Heim, z.B. in Form des Probewohnens oder von Besuchen an Tagen der offenen Tür, ermöglicht den frühzeitigen Abbau von Ängsten. Die Eingewöhnungsphase kann durch die Schaffung des Angebots von Patenschaften unkomplizierter verlaufen. Hierzu können sich Bewohner, die schon eine Weile in dem Heim leben, freiwillig melden, die dann für einen neuen Bewohner zuständig sind und zu Beginn mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Methode scheint geeignet zu sein, da dadurch zum einen den alten Bewohnern eine Aufgabe zugeteilt wird und zum anderen die neuen Bewohner von Beginn an in das Kontaktnetz im Heim eingebunden werden können (Kruse et al. 1992: 119f.).
Darüber hinaus kommt der räumlichen Gestaltung eine nicht zu unterschätzende Rolle in Bezug auf die Bildung von Sozialkontakten zu. Es ist von Vorteil, wenn ein Café und ausreichend Gemeinschaftsräume im Heim vorhanden sind, die zum Verweilen einladen und den Bewohnern die Möglichkeit von zwanglosen Sozialkontakten eröffnen (Kruse et al. 1992: 122). Der Abbau räumlicher Barrieren sowie die Schaffung einer freundlichen Atmosphäre könnten sich vorteilhaft auf die Bewohner auswirken (Rückert 1983: 33). Saup (1990) ist davon überzeugt, dass die sozialen Kontakte im Heim durch eine abgestufte Anordnung privater, halbprivater und öffentlicher Bereiche ungemein gefördert werden.
Im privaten Bereich scheint es eine sinnvolle Maßnahme zu sein, die Vergrößerung des Raumangebots von Privatzimmern umzusetzen und die lückenlose Ausstattung der Privatzimmer mit persönlichen Einrichtungsgegenständen und Möbeln zu ermöglichen. Bei der gesamten räumlichen Gestaltung sollte auch darauf geachtet werden, dass den Heimbewohnern eine stimulierende Umwelt geschaffen wird (Saup 1990: 21f., Häussler-Sczepan 1998: 162).
Einen letzten Ansatzpunkt für Interventions- und Verbesserungsmaßnahmen bietet der Bereich Heimangebote, also Maßnahmen zur Aktivierung und Förderung und zu sinnvoller Betätigung der Heimbewohner.
Eine erstrebenswerte Maßnahme stellt die Schaffung einer Heimstruktur dar, in der der Bewohner noch ein weitgehend selbst bestimmtes Leben führen kann und nicht nur gepflegt, sondern auch aktiviert wird (Kruse et al. 1992: 111 - 129, Häussler-Sczepan 1998: 163).
Die Förderungsmöglichkeiten von Betätigungen für Heimbewohner, um den Aktivitäts- und Kontrollverlust ein wenig auszugleichen, werden meistens nicht ausreichend genutzt. Folgende Maßnahmen werden aufgezeigt, wie bzw. in welchen Bereichen die Bewohner sinnvoll mit kleinen Betätigungen betraut werden können. "Manchmal unterstützen (rüstige) Heimbewohner das Personal beim Reinigen des privaten Zimmers, erledigen kleinere Einkäufe für sich selbst und für Mitbewohner oder übernehmen kleinere Aufgaben in der Heimverwaltung (etwa die Organisation der Heimbücherei)" (Saup 1990: 23). Ergänzend wird vorgeschlagen, dass den Bewohnern zusätzlich die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, sich bei der Planung von Angeboten und Veranstaltungen zu beteiligen. Auch sollte ihnen ein Mitspracherecht beim Essensplan eingeräumt werden. (Kruse et al. 1992: 113 - 115 und 127).
Bei der Organisation von Angeboten und Veranstaltungen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das kulturelle und geistige Niveau der Veranstaltungen auf die Mehrheit der Bewohner abgestimmt wird, da sonst der positive bezweckte Effekt nicht eintritt (Lohmann 1970: 143). Diesen Hinweis auf mögliche Gefahr der Überforderung der Bewohner können wir nicht ohne weiteres nachvollziehen, da in unseren Augen nicht nur massenkompatible Veranstaltungen durchgeführt werden müssen. Unserer Vermutung nach eignen sich im Besonderen Veranstaltungen mit einer geringen Gruppenstärke eher dazu, Heimbewohner miteinander in Kontakt zu bringen. Außerdem wäre es schwerlich möglich, die Bewohner aktiv zu fordern, wenn das Niveau aller Veranstaltungen dem Durchschnittsbewohner angepasst werden würde. Zudem vermuten wir, dass im Besondern bei Veranstaltungen, die ein gewisses geistiges und kulturelles Niveau erfüllen, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Bewohner miteinander ins Gespräch kommen, da die Bewohner allein auf Grund der Inhalte einem höheren Gesprächsanreiz ausgesetzt sind.
Lohmann (1970) liegt es auch am Herzen, dass die bettlägerigen Bewohner, die zwar nicht mehr in der Lage sind, physisch an den Veranstaltungen teilzunehmen, trotzdem aber weiterhin so weit wie möglich in das Gemeinschaftsleben der Einrichtung integriert werden. Prinzipiell ist das kein schlechter Gedanke, aber der Vorschlag, dies z.B. durch die Installation von Lautsprechern in den Zimmern zu tun, die die Veranstaltungen übertragen, erscheint uns nicht gerade als eine Methode, die sich vorteilhaft auf das Wohlbefinden der Bettlägerigen auswirken wird (ebd.). Eine weitaus vorteilhaftere Maßnahme zur Integration der Bettlägerigen könnten wir uns eher dahingehend vorstellen, dass eine Art von Besuchspatenschaften über den Heimbeirat ins Leben gerufen wird, wodurch die Bettlägerigen durch die direkten Kontakte zu Mitbewohnern in die Heimgemeinschaft integriert werden können. Sie könnten so über Neuigkeiten und Ereignisse informiert werden.
Den folgenden Hinweisen von Lohmann (1970) können wir allerdings soweit zustimmen, da wir in den Vorschlägen interessante Verbesserungsansätze für die Bewohner sehen. Sie kommt zu dem Schluss, dass Bemühungen, die darauf abzielen, die Bewohner zu einer sinnvollen Beschäftigung anzuregen, das Gemeinschaftsleben nachweislich fördern können. Die Beschäftigungstherapeuten müssen darauf achten, den Bewohnern Maßnahmen ohne Zwänge näher zu bringen und sie müssen dies in der richtigen Art und Dosis tun, damit auch Erfolge sichtbar werden. "Den größten Vorteil einer hierfür eingestellten Sozialarbeiterin erblicken wir jedoch darin, dass sie sich um jeden einzelnen im Heim gesondert kümmern kann und kümmern muss, dass die Arbeiten, die sie anregt, ganz individuell auf die bestimmte Person abgestellt sind, auch wenn diese dann wieder in Gruppen zusammenarbeiten. Gerade dies halten wir für sehr wichtig, weil der ganze Tagesablauf im Heim sonst im Zeichen der Masse steht und im Hinblick auf die Bewältigung der Aufgaben bis zu einem gewissen Grade stehen muss. Jeder Mensch sehnt sich aber danach, nicht pauschal beurteilt und behandelt zu werden, sondern als Individuum, das seine ganz besonderen Probleme und Wünsche hat" (Lohmann 1970: 144f.).
Angemerkt sei an dieser Stelle, dass sich Lohmann bei der Präsentation der Interventions- und Verbesserungsvorschläge im Rahmen ihrer Studie unglaubwürdig macht, da sie sich gravierend widerspricht. Auf der einen Seite plädiert sie für ein Angebot, das auf die Masse der Bewohner ausgerichtet ist und dem kulturellen Anspruch des Durchschnittsbewohners entspricht. Auf der anderen Seite räumt sie ein, dass es von Vorteil wäre, wenn jeder Bewohner als Individuum betrachtet und nach den individuellen Ansprüchen aktiviert und gefördert werden würde.
Letztendlich darf bei der Umsetzung von Interventions- und Verbesserungsmaßnahmen nicht vergessen werden, dass sich ein Gemeinschaftsleben unter den Bewohnern nicht erzwingen lässt. Deshalb greifen die Maßnahmen nur, wenn sie auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhen. An diesem Punkt hat Lohmann wieder Recht: "Dem alten Menschen sollte an seinem Lebensabend die Freiheit zugestanden werden, über seine Zeit frei zu verfügen und selbst zu bestimmen, ob er ruhig im Sessel sitzen oder irgendeine Aktivität entfalten will" (Lohmann 1970: 143f.).
9 Dieses Ergebnis deckt sich annähernd mit dem Ergebnis aus der Studie von Rückert, bei der herauskam, dass 53 % der Pflegeheimbewohner regelmäßig Sozialkontakte mit Mitbewohnern derselben Station haben, die wir im Anschluss vorstellen werden.
10 Eine Erklärung für die Divergenz zwischen der hier dargestellten Kontaktfrequenz und der subjektiven Beurteilung der Kontaktsituation aus der Studie von Schmitz-Scherzer, Schick & Kühn könnte sein, dass in der einen Studie, in der die Beurteilung der Kontaktsituation abgefragt wurde, verschiedene Heimformen der stationären Altenhilfe berücksichtigt wurden und bei der anderen, in der Zahlen zu der tatsächlichen Kontaktfrequenz erhoben wurden, sich diese Ergebnisse allein auf die Befragung von Pflegeheimbewohnern beziehen.
11 Dieser Erklärung können wir uns anschließen. Dadurch ist auch erklärt, warum in unterschiedlichen Studien verschiedene Angaben zu Kontaktfrequenzen der Bewohner erhoben wurden. (beispielsweise vgl. die Angaben von Rückert (1983) und von Schneekloth (1997) .
12 Die Intensiverhebung beinhaltete: Strukturfragebogen zur Einrichtung (n=20), Standardisiertes Beobachtungsschema (n=20), Leitfadengesteuerte Interviews mit den Führungskräften (n=40) und den Bewohnern (n=141), Strukturierte Gruppendiskussion mit Mitarbeiter/innen (n=in jeder Einrichtung), Standardisierter & schriftlicher Mitarbeiter/innen-Fragebogen (n=623) und Strukturierte Beobachtung von vier ausgewählten AEDL-Bereichen: Waschen, Ankleiden, Essen, Kommunikation bei Gruppenaktivitäten (n=52).

