3. Untersuchungsdesign
3.2.2.1. Die Einrichtungen der stationären Altenhilfe
In diesem Abschnitt geht es darum, die beiden Einrichtungen, in denen die empirische Feldarbeit durchgeführt wurde, näher zu charakterisieren. Ein Teil der Rahmendaten der institutionellen Einrichtungen wurde zu diesem Zweck in der folgenden Tabelle zusammengetragen.
Tab.: Übersicht der untersuchten stationären Einrichtungen
| Einrichtung 1 | Einrichtung 2 | |
Untersuchungszeitpunkt |
Oktober 2002 |
Juni 2004 |
Bezirk |
Schöneberg / Friedenau | Köpenick / Friedrichshagen |
Träger |
Wohnstift Otto Dibelius e.V. (kirchlicher Träger) | Sozialstiftung Köpenick(öffentlicher Träger) |
Baujahr /Eröffnung |
1986 | 1979 |
Bewohneranzahl und Heimplätze |
108 Bewohner Es sind 108 Plätze vorhanden, das entspricht einer Auslastung von 100%. | 312 Bewohner Es sind 300 Plätze vorhanden, davon sind 50 Plätze speziell für gerontopsychiatrisch erkrankte Bewohner.31 |
Geschlechterverhältnis |
102 Frauen / 6 Männer (prozentualer Anteil der Männer: ca. 5,6 %) | 250 Frauen / 62 Männer32 (prozentualer Anteil der Männer: ca. 20 %) |
Anzahl der Häuser und Wohnbereiche |
1 Haus mit 5 Wohnbereichen | 2 Häuser (zur Zeit in Betrieb) mit je 6 Wohnbereichen |
Zimmerverteilung |
Einzelzimmer: 60 Zweibettzimmer: 24 (Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad mit Dusche und Toilette und im Flur ist eine kleine Küchenzeile mit Herd und Kühlschrank eingerichtet. Alle Wohneinheiten haben Südlage und besitzen einen Balkon) |
Einzelzimmer: 258 Zwei- u. Mehrbettzimmer: 17 (Nicht jedes Zimmer verfügt über eigene Sanitäranlagen und es sind keine Balkone vorhanden) |
Kosten: Tagessätze pro Tag und pro Person in € |
- Zwei Gemeinschaftsbereiche pro Wohnetage - Eine gemeinschaftliche Teeküche pro Wohnetage - Speisesaal - Großer Veranstaltungssaal - Cafeteria - Clubraum - Andachtsraum - Gymnastikraum - Friseursalon - Foyer |
- Zwei Gemeinschaftsräume pro Wohnetage (einer der beiden wird jeweils temporär als Speisesaal genutzt) - Zwei Cafeterias - Friseursalon - Fußpflege und Kosmetiksalon - Foyer |
Außenanlage |
Garten mit Teich incl. Erlebnisgarten, in dem die Bewohner die Möglichkeit haben, diesen selbst zu bepflanzen. Direkt gegenüber ist ein Kinderspielplatz, der von den Balkonen aus einsehbar ist. | Parkähnliche Gartenanlage (zum Erhebungszeitpunkt noch im Bau) |
(Die Daten wurden aus mehren Quellen entnommen: Experteninterviews mit der Heimleitung bzw. mit Mitarbeitern des Sozialdienstes, www.ev-seniorenheim.de, www.sozialstiftung-koepenick.de und www.paritaet-pflegeinfo.de)
Zwischen den zwei Einrichtungen der stationären Altenhilfe bestehen mehrere bedeutende Unterschiede. Bei der Einrichtung 1 handelt es sich um eine wesentlich kleinere Einrichtung, die rund 2/3 weniger Bewohner beherbergt als die Einrichtung 2 und deren Heimstruktur unseres Wissens von Beginn an darauf ausgelegt war, keine Altenwohnheimplätze in das Angebot zu integrieren. Darüber hinaus ist in der Einrichtung 2 ein weitaus größerer Anteil an Männern an der Gesamtbewohnerzahl zu verzeichnen (knapp ein Fünftel) – ein Umstand, der sich auch auf die Auswahl unserer dortigen Interviewpartner auswirkte. Außerdem besteht ein deutlicher Preisunterschied zwischen diesen beiden Eichrichtungen, der sich unter anderem auch in der unterschiedlichen Ausstattung zeigt. Die Ausstattung in der Einrichtung 1 ermöglicht den Bewohnern vielfältigere Beschäftigungsmöglichkeiten, auch beispielsweise in der Hinsicht, dass die Bewohner die Möglichkeit haben, neben der Versorgungsleistung der Einrichtung, sich selbstständig etwas kochen zu können. Des Weiteren fällt das wohnbereichübergreifende Raumangebot in der Einrichtung 1 vielfältiger aus als in der Einrichtung 2. Die gemeinschaftlichen Wohnbereiche, im Besonderen die auf den Wohnetagen, sind in der Einrichtung 1 wohnlicher, individueller und offener, zwar kleiner aber auch gemütlicher gestaltet worden.
Ein weiterer Unterschied ist in der geschichtlichen Vergangenheit begründet. Die Einrichtung 2 war zu Zeiten der DDR als Feierabend- und Pflegeheim errichtet worden. Der Bau war Bestandteil eines umfangreichen Programms zur Verbesserung der Wohnsituation von Bürgern im Rentenalter. Zwei der Häuser des Feierabend- und Pflegeheims hatten jeweils 280 Plätze (Doppel- und Mehrbettzimmer mit jeweils einem WC) und unterstanden der Feierabendheimverwaltung des damaligen Stadtbezirks. Das dritte Haus des Feierabend- und Pflegeheims hatte dagegen 80 geräumigere aber auch teurere Plätze, die dem Ministerrat direkt unterstellt waren. Dieses Haus diente der Versorgung von Veteranen des Partei- und Staatsapparates sowie Verfolgten des NS-Regimes. Nach der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten wurde das Feierabend- und Pflegeheim vom Bezirksamt Köpenick übernommen. Um die Wohnbedingungen der drei Häuser anzugleichen und mehr Bewohnern ein eigenes Zimmer zu bieten, wurde die Kapazität der Häuser mit 280 Plätzen auf 155 Plätze reduziert und die Plätze des dritten Hauses von 80 auf 110 Plätze erhöht. Mit der Einführung der Finanzierung über das Bundessozialhilfegesetz konnten die bisherigen Bewohner, sofern sie nicht pflegebedürftig waren, als Mieter in ihrem Zimmer wohnen bleiben. Mit der Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) im Jahr 1995 mussten erneut strukturelle Veränderungen durchgeführt werden, da nun Seniorenheime den Status von vollstationären Pflegeeinrichtungen bekamen und die bisherigen Mieter mussten Heimbewohner werden, sofern sie in der Einrichtung weiter leben wollten. Daraufhin wurden alle drei Häuser schrittweise saniert und modernisiert. Das erste modernisierte Haus konnte 2002 von 150 pflegebedürftigen Bewohnern bezogen werden. Im Frühjahr 2004 konnten weitere 150 pflegebedürftige Bewohner in einem modernisierten Gebäude untergebracht werden. Zurzeit wird das dritte Gebäude modernisiert, wodurch 2005 weitere 90 vollstationäre und 16 Kurzzeitpflegeplätze in Betrieb genommen werden können.
31 Die Diskrepanz lässt sich folgendermaßen erklären. Die Bewohneranzahl ist einem Experteninterview entnommen und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Heimplätze sind der Homepage der Einrichtung entnommen worden. Ob es sich dabei um einen Fehler handelt oder ob das Seniorenzentrum überbelegt ist, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden.
32 Leider war es den Mitarbeitern des Sozialdienstes nach eigenen Aussagen nicht möglich, genaue Angaben über die Geschlechterverteilung in dieser Einrichtung zu machen. Aus diesem Grund beruhen diese Angaben auf einer Schätzung der Sozialdienstmitarbeiter.

