3. Untersuchungsdesign
3.2.2.2. Die Befragungspersonen
In beiden Einrichtungen erfolgte die Bewohnerauswahl nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern die Heimleitung bzw. der Sozialdienst traf eine bewusste Auswahl von Bewohnern, die als potentielle Interviewpartner in Frage kamen, wobei wir aber die zuständigen Heimmitarbeiter zuvor über einige für uns wichtigen Auswahlkriterien informiert hatten. Zum einen sollten die Bewohner psychisch als auch physisch noch so fit sein, dass sie in der Lage sind, ein bis zu anderthalb Stunden dauerndes Interview durchzuhalten. Zum anderen sollten die Bewohner möglichst schon ca. 2 Jahre in der Einrichtung gelebt haben, weil man dann davon ausgehen konnte, dass die Bewohner sich dort eingelebt und die kritische Phase des Heimübergangs hinter sich gelassen hatten. Diese Kriterienkonstellation war nicht immer leicht zu finden, da nur die wenigsten Bewohner nach einer zweijährigen Aufenthaltsdauer über einen Gesundheitszustand verfügten (Pflegestufe 0 oder 1), der solch ein Interview noch zuließ. Nachdem der Auswahlprozess abgeschlossen war, wurden für uns mit den Bewohnern, die sich für die Teilnahme an der Studie bereit erklärt hatten, Interviewtermine vereinbart. Die Bewohner hatten vorab jedoch keine detaillierten Informationen über die Fragestellung und den Verlauf des Interviews erhalten, wodurch vermieden werden sollte, dass die Bewohner sich auf irgendeine Art und Weise auf das Interview vorbereiten konnten.
Die Involvierung der Heimleitung bzw. des Sozialdienstes bei der Bewohnerauswahl und bei der Terminkoordination für die Interviews erschien uns als der effektivste Weg, da in den von uns ausgewählten Einrichtungen Bewohner mit unterschiedlichen Pflegestufen gemeinsam in einem Wohnbereich untergebracht waren, wodurch eine eigenständige Auswahl an potentiell geeigneten Interviewpartnern in einer angemessenen Zeitspanne von uns nicht zu leisten gewesen wäre. Durch dieses Vorgehen konnten wir die Zahl der eventuell unbrauchbaren Interviews auf ein Minimum reduzieren und auch zeitlich am effektivsten arbeiten. Andererseits muss berücksichtigt werden, dass wir dadurch keine Kontrollmöglichkeit hatten, nach welchen Kriterien die Heimleitung bzw. der Sozialdienst die Bewohner tatsächlich auswählte. Zudem haben wir auch keine eindeutigen Informationen darüber erhalten, wie viele Bewohner ein Interview ablehnt hatten und ob das gesamte Potential an geeigneten Bewohnern ausgeschöpft worden war.
Um die einzelnen Befragungspersonen im Rahmen dieser Arbeit näher vorstellen zu können, haben wir die wichtigsten objektiven Daten der einzelnen befragten Bewohner je nach Erhebungszeitraum in zwei Tabellen zusammengestellt.
Tab.: Bewohnerdaten (Erhebung in der Einrichtung 1 im Oktober 2002)
| 1. Interview | 2. Interview | 3. Interview33 | 4. Interview | 5. Interview | 6. Interview | |
| Alter | 86 Jahre | 82 Jahre | - | 77 Jahre | 85 Jahre | 100 Jahre |
| Geburtsort | Breslau | Pommern | - | Lausitz | Görlitz | Dresden |
| Geschlecht | weiblich | männlich | - | weiblich | weiblich | weiblich |
| Familien- stand | ledig | verwitwet | - | verwitwet | verwitwet | ledig |
| Kinder | Keine | 1 Sohn, 1 Tochter |
- | 2 Söhne, 1 Tochter |
1 Sohn | 1 Adoptiv- tochter |
| Heimüber- gang | 2000 | Januar 2002 | - | 2001 | 2000 | Februar 2001 |
| Beruf | Sach- bearbeiterin beim Rundfunk | Kriminal- haupt- kommissar | - | Selbst- ständig (im Einzel- handel) | Buch- halterin | Kinder- gärtnerin |
Tab.: Bewohnerdaten (Erhebung in der Einrichtung 2 im Juni 2004)
| 7. Interview34 | 8. Interview | 9. Interview | 10. Interview | 11. Interview | 12. Interview | |
| Alter | 97 Jahre | 75 Jahre | 84 Jahre | 90 Jahre | 92 Jahre | 78 Jahre |
| Geburtsort | Berlin | Zschokau / Döbeln | Fredersdorf | Kalisch (Polen) | Berlin | Schlesien |
| Geschlecht | männlich | männlich | weiblich | weiblich | weiblich | männlich |
| Familien- stand | verwitwet | geschieden | verwitwet | verwitwet | verwitwet | verwitwet |
| Kinder | Keine | 3 Söhne | 2 Töchter | 1 Tochter | 1 Tochter | Keine |
| Heim- übergang | 199035 | Februar 2003 | Februar 2004 | 1994 | 1999 / 2000 | 199436 |
| Beruf | Ingenieur (Fein- mechanik / Maschinen- bau) bei einer Brauerei |
Berufs- soldat in der NVA (Reser- visten- ausbildung) |
Kontoristin | Bäuerin | Kauf- männische Angestellte / Lohnbuch- halterin |
Buchhalter, zuletzt im Betriebs- schutz tätig |
| Pflegestufe | Stufe 1 | Stufe 1 | Stufe 1 | Stufe 0 | Stufe 1 | Stufe 1 |
Insgesamt haben wir 12 Interviews mit Bewohnern aus zwei verschiedenen Einrichtungen der stationären Altenhilfe durchgeführt und zwar in jeder Erhebungswelle sechs Interviews, wobei wir aber am Ende nur fünf Interviews aus der ersten Erhebungswelle auswerten konnten. Ohne die Person, deren Interview nicht ausgewertet werden konnte, betrug das durchschnittliche Lebensalter der befragten Bewohner in beiden Einrichtungen zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt 86 Jahre. Insgesamt haben wir sieben Frauen und vier Männer interviewt, deren Interviews am Ende auch ausgewertet wurden. In der ersten Einrichtung zählte nur ein männlicher Bewohner zu den Befragungspersonen und in der zweiten Einrichtung war dagegen die Geschlechterverteilung unter den Befragungspersonen ausgeglichen. Der überwiegende Teil der Befragungspersonen (acht Bewohner) gaben über ihren Familienstand an, verwitwet zu sein. Ein weiterer Bewohner war zum Befragungszeitpunkt geschieden, und zwei der Befragungspersonen waren nie verheiratet gewesen. Auch der Frage, wie viele der befragten Bewohner wie viele Kinder haben, sind wir nachgegangen: Drei der befragten Bewohner waren kinderlos, weitere drei Bewohner hatten ein eigenes Kind, und eine Befragungsperson hatte ein Kind adoptiert. Vier Bewohner hatten zwei oder mehr Kinder.
Beim jeweiligen Befragungszeitraum lag der Heimübergang für die befragten Bewohner sehr unterschiedlich weit zurück: Alle Bewohner waren länger als drei Monate im Heim. Maximal 12 Monate lag für zwei der befragten Bewohner der Heimübergang zurück. Über ein Jahr, aber kürzer als zwei Jahre lebten drei der Bewohner im Heim. Vor weniger als drei Jahren, aber mehr als 2 Jahren, waren zwei der Bewohner in eine Einrichtung gezogen. Für nur einen Bewohner lag der Heimübergang knapp 5 Jahre zurück. Die zwei Bewohner, die zum Befragungszeitpunkt bereits ziemlich lange im Heim lebten, waren zum Zeitpunkt des Interviews bereits 10 Jahre dort untergebracht. Ein Bewohner, dessen Heimeinzug von allen am längsten zurücklag, hatte bereits seit 14 Jahren ein neues zu Hause in der Einrichtung gefunden.
33 Dieses Interview wurde als nicht auswertbar eingestuft, da der Bewohner über nicht ausreichend kognitive und narrative Fähigkeiten verfügte, um auswertbare Daten zu liefern.
34 Bei der Interpretation der Daten aus dem Interview Nummer 7 muss die hier aufgetretene besondere Problematik beachtet werden. Beim Interview war eine dritte Person anwesend und zwar eine Bekannte des Befragten.
35 Diese Befragungsperson hatte nicht immer den Status Heimbewohner gehabt, sondern hat in der Vergangenheit unter dem Status Mieter in dieser Einrichtung gelebt.
36 Siehe Fußnote 35.

