4. Darstellung der Ergebnisse:
Ursachen von Einsamkeit bei Heimbewohnern
4.1.1. Schlechter Gesundheitszustand, insbesondere Einschränkung der Mobilität
Der Gesundheitszustand spielt eine entscheidende Rolle, insbesondere Mobilitätseinschränkungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, sich einsam zu fühlen und erschweren die Pflege und den Aufbau von sozialen Kontakten. Viele Bewohner verdeutlichen immer wieder ihre Ängste vor dem fortschreitenden Alter, dem körperlichen Verfall und der damit verbundenden Hilflosigkeit, vor allem aufgrund von Funktionseinbußen bei der Fortbewegung. Noch gehen zu können bedeutet für viele Bewohner, noch würdevoll leben zu können, es hat also für viele eine geradezu existenzielle Bedeutung: nur wer laufen kann, fühlt sich noch lebendig. Laufen können wird aber auch mit Gesundheit gleichgesetzt, ungeachtet anderer möglicher Einbußen. Eine erhebliche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation kann dann zu einer globalen Unzufriedenheit führen, zu einer alles umfassenden Enttäuschung. Die letzte Phase des Lebens, die nun aufgrund der gesundheitlichen Verschlechterung im Heim verbracht werden muss, gestaltet sich nachteilig, da sich die Umstände unerfreulich entwickelt haben, zum einen, da man überhaupt in einem Heim gelandet ist, obwohl man genau das nie "vorhatte", zum anderen, da man sich aber auch innerhalb des Heims nicht groß bewegen kann. Die Chance des Ruhestandes, endlich im Leben lang gehegte Pläne zu verwirklichen, sich eigene Wünsche zu erfüllen, unabhängig von anderen und selbst bestimmt zu handeln, wird durch plötzliche Krankheit zunichte gemacht. Vor allem das Wissen darüber, dass diese Chance mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nie wieder kommen wird, vergrößert die Enttäuschung. Auch wenn die Situation akzeptiert wird, da sie unabänderlich ist, bleibt eine große Enttäuschung über den Verlauf der Dinge zurück. Die Verschlechterung der gesundheitlichen Situation, die ja in den meisten Fällen einen Umzug in ein Heim notwendig macht, beeinflusst maßgeblich die Unzufriedenheit und beeinträchtigt das Wohlbefinden, gerade wenn sie so unvorhergesehen eintritt und von vornherein keine anderen Alternativen zulässt, als ins Heim zu gehen, wenn beispielsweise (wie im folgenden Zitat) die Kinder alle im Ausland wohnen und die Pflege der Mutter nicht übernehmen können. Laufen können bedeutet vor allen Dingen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit und wer dies nicht mehr in der Art und Weise erfahren kann, wie man sich das erhofft und erwünscht hat, verfällt mitunter in Selbstmitleid.
"Wissen Sie, wenn man Zeit seines Lebens selbstständig war und immer gearbeitet hat, da hat man ja angenommen, dass man das Alter etwas ruhiger angehen kann und dass man das tun kann, was man all die Jahre nicht konnte. Und das fällt eben flach. Man muss sich mit den Umständen abfinden. Und das ist manchmal schwer. Man sagt sich zwar - auf der einen Seite - du hast hier alles und die machen und tun, aber auf der anderen Seite ist man doch gehandikapt. Man kann nicht das unternehmen, was man gerne möchte. (.) Nachdem mein Mann gestorben war, hatte ich das Ziel zu reisen. Denn ich habe den Sohn in Thailand, ich habe eine Tochter - die ist zwar angeheiratet - die lebt in Amerika; meine Tochter, die lebt in Spanien . Also, da wäre ich das ganze Jahr ganz schön unterwegs gewesen. Ich bin . ich war sehr reisefreudig. Und das ist jetzt natürlich weg. Und da erst mal drüber wegzukommen ist schwer. Manche verkraften das besser . Also, ich habe es sehr schwer verkraftet." (4. Interview)
Man fühlt sich eingeschlossen im Heim, "abgeschottet" von der Außenwelt, man fühlt sich isoliert, obwohl man Teil einer Gruppe von Menschen ist, die das gleiche Schicksal teilen. Die Zimmertür, der Fahrstuhl, der Eingangsbereich des Heims bilden die Grenzen, bis zu denen ein Bewohner dann nur vordringen kann. Alles, was sich außerhalb dieser Grenzen ereignet, entzieht sich seiner Erfahrungswelt. Die durch Unbeweglichkeit hervorgerufene wahrgenommene ungewollte physische Trennung von der Außenwelt überträgt sich möglicherweise auch auf die Gefühlswelt eines Bewohners: Unfreiwilligkeit, Hilflosigkeit, Erfahrung eigener Schwäche, Selbstunsicherheit, Trennung von anderen und Sehnsucht nach sozialer Eingebundenheit werden zur maßgeblichen Erfahrung. Das Heim verlassen wird irgendwann zur Unmöglichkeit, ohne Mobilität lässt sich das Leben nicht mehr gestalten. Unbeweglichkeit wird praktisch mit Sinnlosigkeit gleichgesetzt, alles, was das Leben lebenswert macht, ist jetzt nicht mehr möglich und an dieser Situation lässt sich auch nichts ändern.
"(.) Ich kann nicht mehr raus. Ich hatte bis zum 90sten Lebensjahr hab ick mein Auto jehabt, da bin ick noch unterwegs und so weiter. Konnte mir das Leben noch so einigermaßen gestalten. Ich war aber schon hier drin, nich war. Aber jetzt bin ich zu gehandicapt, dass ich ja kaum noch, ich kann ja schon gar nichts mehr unternehmen, (so mit den Knien wird's immer schlimmer)." (7. Interview)
Der gleiche Bewohner geht sogar soweit, dass dieser die eigene Situation, im Heim bleiben zu müssen auf Grund von Immobilität, sogar mit einer Gefängnissituation vergleicht. Er weiß allerdings aber auch nicht, wie man diese Situation verändern könnte:
"Wir kommen immer wieder auf dasselbe Thema, wenn man hier so, abgeschottet is, nich wa. Ich komm ma vor als ob ich im Knast bin (auf hier gesagt ja). Denn hier bin ich nicht mehr so beweglich (.)" (7. Interview)
Laufen können bedeutet also insbesondere Freiheit und Selbstbestimmung, z.B. außerhalb des Heims kleine Einkäufe tätigen, aber auch Selbstbestimmung in Bezug auf die Gestaltung sozialer Kontakte, und die Angst vor eingeschränkter Mobilität ist vermutlich sogar größer als vor dem Verlust geistiger Fähigkeiten, vor allem wenn der Rückgang der Mobilität bewusst wahrgenommen wird. In dem Moment, wo man an den Rollstuhl oder ans Bett "gefesselt" ist und nicht mehr selbständig entscheiden kann, wohin man geht bzw. ständig auf die Hilfe anderer angewiesen ist, ist man dem Heim vollständig "ausgeliefert", Fremdbestimmung und Unselbständigkeit werden zu einer tagtäglichen Erfahrung. Aktivität, Vielfältigkeit und Interesse werden stets mit "noch raus gehen" in Verbindung gebracht, im Haus bleiben müssen dagegen bedeutet für viele Bewohner Langeweile, Eintönigkeit, Trägheit und Unlust. Diese Erfahrung einer gewissen Leere wird dann von denjenigen, die das Haus nicht allein verlassen und auch nicht immer damit rechnen können, dass eine Pflegekraft bei der Mobilität behilflich ist, durch schlafen kompensiert. Wer im Rollstuhl in einer Ecke sitzt und darauf wartet, dass jemand kommt, um den Rollstuhl in eine andere Ecke zu schieben, der schläft eben irgendwann ein, der schaltet ab und resigniert. Auch Feiertage (Geburtstag, Weihnachten) werden notfalls allein im Heim verbracht, als beispielsweise die schwierigeren Umstände in Kauf zu nehmen, um zu den Verwandten zu fahren, auch wenn dies die einzige Gelegenheit darstellt, das Heim zu verlassen. Eher verabschiedet man sich von der Chance, Weihnachten in der Gemeinschaft der Angehörigen zu verbringen, als Strapazen auf sich zu nehmen oder andere um Unterstützung zu bitten. Einsamkeit wird - gezwungenermaßen - vorgezogen. Man nimmt sich zurück, bleibt lieber im Heim, als den Angehörigen zur Last zu fallen. Die Verbitterung darüber, dass Verwandte nicht mehr besucht werden können, dass an Aktivitäten vom Heim nicht mehr teilgenommen werden kann und dass öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr genutzt werden können, also das Gefühl zu haben, sich einfach in keine Richtung mehr fortbewegen zu können, ist z. T. sehr groß. Man fühlt sich möglicherweise vom eigentlichen Leben abgesondert, abgeschirmt und die allgemeine Beziehungslosigkeit wird auch auf das Leben im Heim übertragen, man entwickelt dann langsam eine allgemeine Interesse- und Initiativlosigkeit.
"Ich kann ja net! Also, wenn isch, wissen Se nich, sie könnten misch holn [die Verwandten, Anmerkg. d. Au.], sie könnt wolln, aber isch will das nisch mehr. Sehn Se isch muss über drei Stunden fahrn, mitten Auto, das jeht nisch mehr, es sei denn, isch muss och mal raus oder wat, muss noch mal halten oder was, alles nischt mehr drin, isch trau' mir nisch mehr! Könnt och nach Leipzich fahrn, wenn de, hat mir mein Neffe abgeholt von da Leipzisch, dann bei meine Nichte, bei meiner Schwägerin, mein Bruder oder Schwester, nischt, alles weg, ich kann nisch mehr! Jetz heut vor acht Tagen hattn wir ne Dampferfahrt, ich kann och mit Dampfer nisch, isch komm och den Bus nich mehr hoch! Hab jetz zur Schwester jesacht: "Schade", ach isch kann doch den Bus nisch mehr hoch!" (12. Interview)
Nur wer noch laufen kann, der verfügt über einen gewissen persönlichen autonomen Handlungsspielraum und es gilt, diesen auch auszunutzen. Wer laufen kann, gehört zur "Gewinnerseite", wer sich nicht mehr selbständig fortbewegen kann, gehört zur "Verliererseite". Dies bedeutet, auf andere angewiesen zu sein, darauf zu warten, dass jemand zu einem kommt, die Motivation für eigenständiges Handeln geht zurück, man zieht sich zurück. Laufen können befördert einen Bewohner gewissermaßen auf eine besondere Stellung im Heim, es handelt sich praktisch um eine elitäre Position.
"Und wer eben kann, der geht eben seine Wege. Ja. So wie ich un die Frau H. Da, wo se mit ihre Füße hatte, da bin ich en paar Tage allein gegangen. Ich bin ja so lange, äh se kam auch eben allein meist gegangen. Weil die meisten, die könn' das nich: "Du Hast Glück, Du kannst froh sein, dass Du noch laufen kannst." Meistens sitzen se im Wagen, ja un schlafen und machen., also wenn man das so sieht, das tut einem richtig weh! Bin auf andre angewiesen, ich sag' "Gott sei Dank, hoffentlich passiert mir das auch nich. Bin ja nu schon 90', denke, das längste gelebt zu haben." (10. Interview)
Wer es früher gewohnt war, für weniger rüstige Bewohner Einkäufe oder sonstiges zu erledigen und mehr oder weniger den ganzen Tag auf den Beinen und dadurch viele Kontakte zu den anderen gewohnt war, für den wird es besonders schwierig, auszuhalten, dass diese Funktion und damit die Kontakte mit der Immobilität einfach wegfallen und dass die Kontakte innerhalb des Hauses nicht einfach weiter existieren, sondern an die Betreuer-/ oder Versorgerfunktion gebunden war, die wiederum das Gehen können zur Voraussetzung hatte. Gesundheitliche Einschränkungen für eine mangelnde Kontaktsituation verantwortlich zu machen, ist aber auch ein Problem unzureichender persönlicher Motivation, die häufig einfach aus einer generellen Unzufriedenheit heraus resultiert. Aber auch die Fürsorge um andere, das an das Laufen können gebunden ist, verschafft dem Bewohner eine besondere Stellung im Heim, man übernimmt Verantwortung für die Belange anderer, trifft Entscheidungen und bekleidet somit eine wichtige Position. Fällt dies weg, fallen auch die Kontakte zu anderen Menschen weg, nicht mehr laufen können führt unmittelbar zu Einsamkeit.
"Ja, isch hatt hier, wies hier früher war, hatte isch viel Kontakt, och wenn die andern, isch konnte ja früher sehr viel laufen, ja. Hier wor eine, die hatte ein Bein, die hab isch voll un janz versorgt, zur Sparkasse jegangen, Apotheke un allet. Solsche, hab isch für ihr jesorgt, wenn se haben wollte, hat sie mir ja Telefon anjerufen, hab isch, haben wir bestellt, der eene wollte Zeitung ham, der andre wollte Zeitschriften haben, isch hatte hier viel, viel Kontakte jehabt, alles weg jetz, restlos weg. Hat sich grünlich viel jeändert! (.) Überall war isch so inne janzen Jeschäfte in Friedrichshogen und wollten alle was hobn. Un ich konnte gehen, konnte ja alles besorjen." (12. Interview)
Die Angst davor, dass man selber durch Immobilität in Abhängigkeit und Unselbständigkeit gerät, ist groß und nichts wird so sehr gefürchtet wie der plötzliche Verlust der Fähigkeit, sich auf den eigenen Beinen fortbewegen zu können. Aus Angst davor, plötzlich hinzufallen bzw. anderen zur Last zu fallen, werden Aktivitäten reduziert, lieber geht man nicht spazieren und bleibt im Haus, als sich dem Risiko eines Sturzes auszusetzen. Wenn der Körper versagt, fühlen sich viele hilflos der Situation ausgeliefert.
"Mit dem spazieren gehen ist das so eine Sache, das kann ich nicht mehr alleine. Ich saß ja im Rollstuhl, da bin ich Gott sei Dank wieder raus. Heute ist es wieder passiert, zweimal bin ich umgefallen, die Beine fallen weg, ohne dass ich es vorher merke. Es ist nur traurig, dass ich das nicht merke, wenn ich umfalle." (4. Interview)
Die Gebrechlichkeit von Mitbewohnern behindert insbesondere dort soziale Beziehungen, wo Defizite die Möglichkeiten von Kommunikation und Unternehmungen einschränken, z.B. infolge einer Gehbehinderung.
Fest steht, dass einige der Heimbewohner ihre Mitbewohner, die sie als krank wahrnehmen, aburteilen. Das geschieht wahrscheinlich überwiegend aus Angst, da ihnen die Möglichkeit bewusst ist, dass sie selbst in der Zukunft erkranken könnten. Krankheiten können einen Menschen verändern und zwar äußerlich (z.B. starke Gewichtsreduktion) und innerlich (z.B. Verlust der Lebensfreude). Gesunde Heimbewohner neigen dazu, sich von den anderen äußerlich erkennbar kranken Bewohnern zu distanzieren, um sich selbst davor zu schützen, dass die negativen Zuschreibungen von Krankheit automatisch auch auf sie selbst übertragen werden, allein auf Grund dessen, dass sie mit "Kranken" zusammen leben (müssen).
Im folgenden Bericht einer Bewohnerin wird deutlich, dass Spannungen zwischen gesunden und kranken Bewohnern in einer stationären Einrichtung der Altenhilfe existieren. Diese Bewohnerin stellt unserer Meinung nach einen Ausnahmefall dar, da diese in der Lage ist, die augenblickliche Situation so zu akzeptieren wie sie sich gerade darstellt. Obwohl auch diese Bewohnerin eventuell die eine oder andere Abneigung gegenüber kranken Bewohnern in sich trägt, ist es ihr möglich, solche Emotionen zurückzustellen oder erst gar nicht an sich heran kommen zu lassen. Diese Bewohnerin scheint also in der (seltenen) Lage zu sein, die Situation faktisch und nicht emotional betrachten zu können.
"Wenn Sie jetzt hier sind und Sie haben den Menschen kennen gelernt, ja, er war krank, aber doch noch ganz schön . so drauf war und so . Und wie der denn mit einem Mal langsam zerfällt. Also das kann ja nun kein Arzt aufhalten, das kann kein Heim aufhalten und sie geben sich ja nun große Mühe mit dem auch. Den holen sie mit runter zur Gymnastik, denjenigen holen sie mit runter zur Musik, also, dass sie nicht ausgeschlossen werden. Und das finde ich eben sehr gut. Äh, dann sind dann aber welche bei, die dann sagen, ach, was will der denn hier unten, das hat doch gar keinen Sinn mehr oder so, ja? Trotzdem sie selber krank sind, aber das ist eben dieses egoistische Denken, also, ich bin ja nicht so und, äh, was hat der hier zu suchen. Also das ist ne Sache . Na ja, das ist ein bisschen schwierig. Aber, äh, das Heim hier, das gibt sich Mühe, eben auch diese Leute mit rein zu nehmen, in diese ganzen Sachen. Das ist ein Mensch, der soll auch mal was anderes sehen und so." (4. Interview)
Die Kontaktsituation unter den Bewohnern stellt sich im Allgemeinen sehr konfliktgeladen dar. Kleinigkeiten, wie zum Beispiel das äußere Erscheinungsbild (ungepflegt, krank, immobil), unerwünschte Verhaltensweisen (schlechte Manieren, unzureichende Bildung) und die ursprüngliche Herkunft (Osten-Westen) reichen beispielsweise dem Bewohner als Grund aus, um sich von dem anderen abgrenzen zu können und diesen als ungeeigneten Kontaktpartner einzustufen. In den nicht selten vorkommenden Fällen, in denen die Bewohner tratschen, wird versucht die Mitbewohner durch einen verbalen Angriff so weit wie möglich abzuwerten. Die Bewohner versuchen, daraus einen persönlichen Nutzen zu ziehen, indem sie im Gegenzug versuchen, die eigene Person dadurch so weit wie möglich aufzuwerten.
"Es gibt eben verschiedene Kranke, die ihre Krankheit ausnutzen, . ich weiß jetzt kein Beispiel. Und andere Leute sagen nichts dazu, aber ich gebe mein Urteil ab und sage, wie es sein müsste. Zum Beispiel die Blinde, die jammert immer, die kommt aus Stuttgart, da können Sie sich ja vorstellen. Dass die über unser Berliner Essen nicht entzückt ist. Die will immer was anderes haben. Dann sage ich: "Dann müssen sie hier weggehen! Da gibt's ein Heim, wo die Blinden unterkommen", ich sage, "da gehören sie eigentlich hin", wenn sie mäkelt, das ist normalerweise. Also, so Sachen. Und da bin ich nicht rücksichtsvoll, sondern ich sage meine Meinung." (6. Interview)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der überwiegende Teil der Kontakte eher zufällig stattfindet und weniger gezielt über Verabredungen getroffen wird. Von daher kann auch davon ausgegangen werden, dass der in der Mobilität eingeschränkte Bewohner, dem das Gehen eventuell sogar starke Schmerzen bereitet, sich nicht so häufig außerhalb des eigenen Zimmers aufhalten wird, was die Wahrscheinlichkeit herrabsetzt, zufällig mit einem Mitbewohner in Kontakt zu treten. Heimbewohner, die nicht mehr ohne weiteres ihr Zimmer selbstständig verlassen können bzw. die Einrichtung der stationären Altenhilfe, in der sie leben, weisen häufiger Rückzugstendenzen auf als Bewohner, die auf Grund ihrer gesundheitlichen Verfassung gar nicht oder kaum auf Hilfe angewiesen sind. Das könnte des weiteren daran liegen, dass die Bewohner, die zur Fortbewegung auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen sind, auf Hindernisse stoßen, die sie nicht ohne fremde Hilfe bewältigen können und zudem haben viele Bewohner das Problem, dass jeder Zeit die Gefahr eines Sturzes einkalkuliert werden muss, was dazu führt, dass die Bewohner bevorzugt einen Grossteil ihrer Zeit im eigenen Zimmer verbringen möchten.

