4. Darstellung der Ergebnisse:
Ursachen von Einsamkeit bei Heimbewohnern
4.1.2. Kurze Aufenthaltsdauer
Eine weitere Einflussgröße stellt die Aufenthaltsdauer dar, sollte aber möglichst in Verbindung mit dem Gesundheitszustand betrachtet werden. Zum einen kann man generell davon ausgehen, dass die Bewohner nach der schwierigen Zeit des Heimübergangs ein wenig Zeit brauchen, sich einzuleben. Erst nach einigen Wochen bzw. Monaten sind die Bewohner eventuell bereit, sich den anderen Heimbewohnern ein kleines Stück zu nähern. Man könnte also davon ausgehen, dass die Heimbewohner, je länger sie im Heim leben, über ein umso größeres Kontaktnetz verfügen, auf das sie zurückgreifen können. Denn jeden Tag treffen die Bewohner auf andere Bewohner und je länger die Dauer des Aufenthalts ist, desto mehr Mitbewohner können per Zufall getroffen werden und desto größer ist möglicherweise der eigene Bekanntheitsgrad.
"Hier, die Frau F. mit der ich sagte, mit der ich zusammen bin - die ist nu schon über zehn Jahre hier. Die kennt natürlich Hinz und Kunz, sag ich mal ganz ehrlich (lacht)." (9. Interview)
Andererseits steigt auch mit der Länge der Aufenthaltsdauer, also mit zunehmendem Alter, das Risiko, psychisch sowie physisch zu erkranken, was wiederum eher ein Argument für die Reduktion des Kontaktnetzes darstellen würde. Von daher gehen wir davon aus, dass die Länge der Aufenthaltsdauer durchaus eine Chance darstellt, das Kontaktnetz auszubauen, aber nur, solange der Gesundheitszustand einigermaßen stabil bleibt. Im Krankheitsfall ist es viel schwieriger, Sozialkontakte zu pflegen und Sozialkontakte, die man nicht pflegt, brechen in der Regel ab. Von daher kann davon ausgegangen werden, dass mit der Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit großer Wahrscheinlichkeit alle oberflächlichen und relativ unwichtigen Sozialkontakte abgebrochen werden, d.h. zum überwiegenden Teil sind davon die bestehenden Sozialkontakte zu den Mitbewohnern betroffen.

