4. Darstellung der Ergebnisse:
Ursachen von Einsamkeit bei Heimbewohnern
4.2. Heimstrukturell bedingte Faktoren
Jede Einrichtung der stationären Altenhilfe verfügt über eine gewisse Struktur, die den Alltag regelt und somit auch Einfluss auf die Lebensbedingungen der Heimbewohner nimmt. Die Lebensbedingungen in den zwei von uns untersuchten Einrichtungen gestalten sich sehr unterschiedlich und wirken so in unterschiedlichem Maße auf die Bewohner ein. So wird zwar der Ablauf des Heimübergangs in beiden Heimen ähnlich geregelt, aber während unserer Beobachtungen konnten wir beispielsweise Unterschiede im Umgang des Personals mit den Bewohnern feststellen. Darüber hinaus wurden den Bewohnern im ersten Heim mehr Autonomie und Privatsphäre zugestanden als im zweiten Heim; die Bewohner verfügten dort über eigene Zimmer- und Haustürschlüssel, vor jedem Betreten des Zimmers wurde angeklopft und die Bewohner hatten die Möglichkeit, sich selbständig auf dem Zimmer Mahlzeiten zuzubereiten bzw. konnten sich Frühstück / Abendbrot aufs Zimmer kommen lassen. All diese Möglichkeiten waren im zweiten Heim nicht gegeben. Schließlich gab es auch große Unterschiede in Bezug auf die Vielfältigkeit von Freizeitangeboten und an Möglichkeiten, einer Beschäftigung nachzugehen, z.B. in Form von leichter Garten- und Beetpflege in der hauseigenen Gartenanlage in der ersten Einrichtung.
Die Lebensbedingungen, die die Bewohner in ihrer Einrichtung vorfinden, haben einen Einfluss auf den Umstand, wie und wie schnell sich ein Bewohner in der neuen Umgebung eingewöhnt und welche Rolle dem Bewohner, z.B. durch das Ausmaß an Möglichkeiten zu Selbständigkeit und Freiheitlichkeit oder durch die Art der Veranstaltungen, die angeboten werden, zugestanden wird. Beispielsweise hatte ein Großteil der Angebote in der zweiten Einrichtung einen infantilen Charakter (Bastelnachmittage) und es gab kaum reine erwachsenengerechte Angebote (z.B. eine Lesung oder ein Konzert), mit Ausnahme der Ausflüge, die aber wiederum hauptsächlich nur den rüstigen Bewohnern als Wahlalternative zur Verfügung standen. Die Lebensbedingungen im Heim lassen sich ferner charakterisieren durch einen steigenden Anteil gerontopsychiatrisch erkrankter Älterer und deren besondere Bedürfnisse. Insbesondere in Einrichtungen, wo Demenzkranke integrativ untergebracht werden, müssen nicht-demente Bewohner einen Weg für einen adäquaten Umgang finden, was für viele allerdings eine enorme Belastung darstellt.

