4. Darstellung der Ergebnisse:
Ursachen von Einsamkeit bei Heimbewohnern
4.2.2. Kritischer Ablauf des Heimübergangs
Der Ablauf des Heimübergangs entscheidet zu großen Teilen darüber, wie schnell sich der Bewohner in der neuen Umgebung einlebt und mit der neuen Situation arrangiert. Die Organisation des Heimübergangs muss von zwei Seiten her stattfinden. Auf der einen Seite liegt es an jedem Menschen selbst, sich rechtzeitig über Wohnalternativen im Alter zu informieren und zu potentiell in Frage kommenden Einrichtungen frühzeitig Kontakt aufzunehmen. Auf der anderen Seite sind auch die Einrichtungen gefordert, Informationen beispielsweise über das Dienstleistungsangebot in die Öffentlichkeit zu tragen, z.B. durch Broschüren oder einen Tag der offenen Tür.
Allerdings ist es häufig so, dass Heimbewohner einen plötzlichen Wechsel von der Krankenhausbehandlung ins Heim vollziehen müssen, da die Betten benötigt werden und eine vorübergehende Rückkehr in die alte Wohnsituation meistens aus physischen und/oder psychischen Gründen nicht möglich ist. Die Mehrheit der Bewohner ergreift nicht rechtzeitig die Gelegenheit, sich bereits vor dem Eintritt der Notwendigkeit einer stationären Versorgung in Begleitung der Angehörigen verschiedene stationäre Einrichtungen der Altenhilfe anzusehen und daraufhin die Alternativen zu diskutieren, um dann eine selbständige Entscheidung über die eigene Wohnsituation für den Lebensabend treffen zu können.
Gerade die Plötzlichkeit und Alternativlosigkeit eines Heimübergangs verlangen von den älteren Menschen viel Kraft und Nerven und erfordern daher besondere Maßnahmen seitens des Heims. Die Unmöglichkeit, aus der eigenen Wohnung langsam und bedacht auszuziehen und den Wohnungsbestand aufzulösen, begründet sicherlich zunächst eine tiefe Abneigung gegen die Institution und stellt somit einen ungünstigen Effekt auf eine gelungene Anpassung an die Institution dar. Gerade der letzte Umzug im Leben sollte vielleicht eher den Charakter eines wohl überlegten und selbst bestimmten Ablaufs haben. Dadurch, dass die Entscheidung eines Heimeinzugs in der Regel über den Kopf des zukünftigen Bewohners getroffen wird, gestaltet sich der Heimübergang als schwierige Zeit für den älteren Menschen, obwohl den Bewohnern die Notwendigkeit dieses Entschlusses häufig plausibel gemacht wird.
"Och nein. Der erste Tag war sehr traurig für mich. Ich kam ja aus Köpenicker Krankenhaus. Meine Freundschaft, meine Tochter erwarteten se mich und da hab ich nur geweint. Werden sie verstehen, die Reaktion. NCHT mehr nach Hause vom Krankenhaus gleich in ein Heim. Wollte ich nie. Hab ich gedacht, nee hab ne schöne Wohnung gehabt (.)Und, ja ich war sehr traurig. Hab viel geweint. Und hatte noch eben dieses Zimmer oben. Und alle kamen und (1) sachten nun: Na ja, müssen se sich dran gewöhnen und so. Und da die Schwestern sehr zuvorkommend waren und einem helfen und getröstet haben. So, und da gewöhnt man sich dran. Und denn kam ich ja raus aus meinem Not-Bett-Zimmer kam ja denn auf die Station, wo ich ein eigenes Zimmer hatte mit Toilette, aber keine Dusche (.)" (11. Interview)
Ein Zusammenbrechen der häuslichen Versorgungssituation ist für den überwiegenden Teil der Heimbewohner der Hauptgrund für einen Umzug in ein Heim. Je traumatischer sich die Umstände gestalten, unter denen die Aufnahme ins Heim erfolgt, also in Form von Schlaganfällen oder unvorhergesehenen Stürzen mit schwerwiegenden Komplikationen, desto eher bewirkt die Zwangssituation, der der Bewohner sich plötzlich gegenüber sieht, schon vorher eine Unzufriedenheit mit der gesamten Situation. Vor allem wenn sich die Situation völlig unvorhergesehen entwickelt und die gesundheitlichen Beeinträchtigungen plötzlich eintreten. Der Verlust von Selbständigkeit, dem Gefühl der Kontrolle und weitestgehender Selbstbestimmung über den weiteren Lebensverlauf sind nicht ohne weiteres zu verkraften. Das Gefühl, in eine kleine, überschaubare Gemeinschaft zu kommen, würde vermutlich ein schnelles Eingewöhnen erleichtern und die Ängste etwas abmildern, die im Zuge eines Einzugs in eine völlig fremde Umgebung aufkommen können. So konnten wir häufig in unseren Interviews feststellen, dass der Heimübergang zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch nicht abgeschlossen war, obwohl alle Bewohner bis auf eine Ausnahme schon mindestens ein Jahr im Heim waren. In Anbetracht der durchschnittlichen Verweildauer eines Heimbewohners (ca. 3 Jahre; siehe Kapitel 2.1.) ist dies ein beträchtlicher Zeitraum, der für die Eingewöhnung und die Akzeptanz der neuen Wohnsituation (und dazu gehören sicherlich auch die Mitbewohner) benötigt wird. Vielleicht liegt in einer wesentlich verstärkten Einbeziehung der anderen Bewohner bei der Ankunft eines neuen Bewohners ein bislang unbeachtetes Potential an Möglichkeiten, die jeweilige Eingewöhnung zu erleichtern, indem von Anfang an Patenschaften vermittelt werden, so dass das häufig auftretende Gefühl des Abgeschobenseins durch einen Integrations- oder Kameradschaftscharakter abgelöst wird.
"(.) man fühlte sich immer so, so, so abgeschoben, sag ich ganz ehrlich. Ist quatsch, Mensch, die Kinder meinten's doch bloß gut, aber so fühlte ich mich zuerst, und dit war natürlich `n Nachteil. Da konnt ick und konnt ick nicht warm werden. (lacht auf: )Trotzdem sie alle sehr nett waren, und auch, ich hab mich auch mit den (sucht das Wort) äh, na, mit den Einwohnern und so alles gut verstanden, und trotzdem, dit hat wat gekostet. (lacht) (.)" (9. Interview)
Viele Bewohner müssen sehr lange daran arbeiten, bis die Gewöhnung an die Situation eintritt und bisweilen folgt selbst nach langer Zeit nicht die Einsicht, dass es in Anbetracht der Umstände möglicherweise die richtige Entscheidung war, ins Heim zu ziehen. Man arrangiert sich mit den Bedingungen im Heim und Zufriedenheit ist eher das Ergebnis einer Erstarrung in der Routine des Alltags, durch Gewöhnung an die Situation. Wirkliches Engagement, wirkliches Gefallen, im Heim zu leben sind eher die Ausnahme (keine Begeisterung, kein Interesse) oder stellen sich tatsächlich erst sehr spät ein, insbesondere dann, wenn der Heimübergang weder freiwillig noch selbständig erfolgte.
"Schlimm, ganz schlimm. Ja, da haben die Mädels mich hierher gefahren. Na ja und wat war da, denn ham se alles schön eingeräumt, nich? Ick hätte bloß heulen können, das sag ich ihnen ganz ehrlich, ja? Also dit - für mich war der Anfang war schwer. ( ) trotzdem sagen müssen ( ) ham sich Mühe gegeben, Schwestern ( ) na ja, erst mit der Zeit (da rein gekommen), aber jetzt bin ich so weit. (lacht)" (9. Interview)
Die Lebensperspektive im Heim wird im Prinzip als Warten auf den Tod in einer Umgebung empfunden, die anders als das Zuhause weder irgendwelche Perspektiven noch Möglichkeiten zur Veränderung, für Handlungsspielraum oder prinzipielle Selbständigkeit bietet. Dieser scheinbare Leerlauf und das Gefühl des Provisorischen blockieren jegliche Motivationen, die Lebensqualität in irgendeiner Hinsicht zu ändern, also die Anpassungsleistung an die neuen Lebensumstände zu vollziehen, die beispielsweise durch eine positive Annäherung an das soziale Umfeld gekennzeichnet sein könnte. Selbst wenn irgendwann die Einsicht eintritt, dass man in einem Heim besser aufgehoben sein kann als zu Hause, da man hier versorgt und gepflegt wird, verbleibt häufig eine tiefe Traurigkeit über den Ablauf des letzten Umzugs und über den Ort des Lebensabends. Zum Teil trauern die Bewohner um ihrer selbst willen, so, als würden sie ihren Tod schon vorweg nehmen und ihr eigenes Ableben beweinen, denn das einzige, was im Heim noch passiert, ist - sicherlich nicht für alle - das Warten auf den Tod. Diese Aussicht, die die neue Wohnsituation bietet, stellt für viele Bewohner einen Zustand anhaltender Hoffnungslosigkeit dar.
"Du, es war sehr sehr schwer. Ich hatte große Sehnsucht nach meiner schönen Wohnung gehabt, wo seit 57 gewohnt habe, nich. Das ganze Viertel und alles. Das war natürlich sehr schwer. Das fällt glaub ich allen sehr schwer. Vor allen Dingen auch die Gewissheit das ist die letzte Station. Es kommt nichts mehr, höchstens noch das Krankenhaus. Mehr kommt nicht. (.)" (3. Interview)
Trotz häufiger Reaktionen der Niedergeschlagenheit in Bezug auf den Ablauf des Heimübergangs, schilderten einige Bewohner diesen auch als weniger trauriges Ereignis. Aber nicht nur die selbständige Wahl der Einrichtung, sondern insbesondere eine eigenständige Festlegung des Zeitpunkts des Heimübergangs spielen eine Rolle im Hinblick auf die Schnelligkeit und das Gelingen der Anpassung, vermutlich vor allem dann, wenn der Zeitpunkt gegenüber den Kindern (bzw. den Angehörigen) durchgesetzt werden muss und aber auch eingehalten werden kann - trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen. So werden die schwierigen Lebensumstände der Selbstversorgung zu Hause eher in Kauf genommen (z.B. erschwertes Einkaufen aufgrund eines physischen Handikaps), als vorzeitig - vor der selbständig festgelegten Zeitplanung - den Schritt des letzten Umzugs zu wagen. Die Aussicht auf Versorgung und damit auf eine Abnahme verschiedener alltäglicher Probleme rückt dabei in den Hintergrund, wichtiger ist, wenn ein Heimeinzug schon sein muss, dann wenigstens zu einem bewusst und ausdrücklich gewählten Zeitpunkt, koste es, was es wolle.
"Vor zehn Jahrn bin ich dann ins Heim! Dann bin ich an der Hüfte operiert, da hab' ich zwei Jahre noch alleine so im Dorf, einkaufen geht, im Sommer geht das, aber im Winter ist es glatt und dann Fahrrad die Taschen angehangen und dann geststst-reut war öfters nicht, weil das dauernd bloß geschneit hat, da musst' man sich Gummistiefel anziehn, dass man durch ((lachend)) Schnee durchkam, was zu essen hol und na ja dann., was sacht meine Tochter: "Mutti", sachte se, "willst Du nich ins Altersheim kommen?" Ja, dann meine Tochter, die hat dann geheiratet und die ist, war in Berlin sesshaft mit ihrem Mann. (.) Die wohnen jetzt in Hönow, haben se ihr Haus gebaut! Die haben noch zwei Jahre da ( ) mit meine Hälfte bis Erika sagt, und die hat mich schon vorher mal, ob's noch hier war irgend ne Wohnung im Heim besorgt. Ich sach: "Ich möchte noch wenigstens zwei Jahre allein bleiben." Un das hab ich auch hinter mich gebracht un damit is auch, "jetzt is aber Schluss, ich kann nich mehr!" Die sagen, die hat immer wieder, wenn se mal zu Besuch kam: "Warum quälst Du Dich denn, verkauf' Dein letzten Plunder.! Und dann sach ich: "Jetzt kannst es ver-, probieren, ob Du mal en Heim irgendwie mich unterbringen kannst." (.) da haben se gesagt, ach hier in (.) Friedrichshagen, da in ( ) Alteleutewohnungen, so wie wir. Na ja und das hat dann auch geklappt. Un seit zehn Jahrn bin ich da!"
"Und wie war der Heimübergang, ähm hier als sie hier angekommen sind? War das für Sie.?"
"Ja, det erste Zeit wars, wars sehr schwer, Sie wissen ja wie das is, wenn man außen freien, man hat gekocht, man gewirtschaftet, man hat gemacht was man wollte und hier stand man ja immer unter Aufsicht da, kann man sagen, so unter der Knute, trotzdem, ich kann mich nich beklagen, mir hat's nich schlecht gegangen, aber man war kein eigener Herr, nich? Na ja und jetzt hab' ich mich so gewöhnt, jetzt möchte' ich wieder gar nicht mehr zurück, wo ich mal war. Jemand würde sagen: "Fahre, kannste wieder zurück in Deine Heimat!", würd ich nich machen! Was soll' ich'n, ich kann' ja nich mehr arbeiten, bin ne alte Frau." (10. Interview)
Eine rechtzeitige Auseinandersetzung zum Thema Heimeinzug kann und sollte zudem auch von den Angehörigen (bevorzugt von den Kindern) bewusst indiziert werden, um eventuell die Auseinandersetzung erst in Gang zusetzen. Eine frühzeitige Absprache hat einerseits den Vorteil, dass die Menschen deren Zukunft es zu diskutieren gilt, noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, und andererseits keine akute Entscheidungssituation vorhanden ist. Des Weiteren erweißt es sich als vorteilhaft, den älteren Menschen nicht nur verbale bzw. mentale Unterstützung zu teil werden zu lassen, sondern diese auch mit Taten, beispielsweise durch Begleitung bei der Besichtigung der Entscheidungsalternativen, zu unterstützen. Dadurch verliert der Heimübergang ein stückweit seinen Zwangs- und Überraschungscharakter, da der (zukünftige) Bewohner das Gefühl und die Möglichkeit erhält, mitbestimmen (z.B. das Heim, den Zeitpunkt) und sich auf den potentiellen Heimeinzug vorbereiten zu können.
"Und mein Sohn hatte mich schon dis war ja dann auch als mein Mann gestorben war war ich seelisch vollkommen fertig. Meine große große Liebe war nun nicht mehr, nich. Und ähm da haben wir uns 86 dieses Haus hier angesehen. Und da war es gerade fertig geworden. Und da sollte ich mit einer hoch in den 80gern, da war ich ja noch jung 70, ähm einziehen und. Die konnte die wußte nicht mal ihren Namen. Und da habe ich, ne, das willste nicht das willste nicht. Und immer wieder wurde ich von dem Heim angeschrieben, ob ich überhaupt noch lebe oder Interesse hab. Habe ich immer geantwortet bis zum Schluß jetzt. Und ich hab immer: Nein, Nein, Nein ich will nicht. Ich will nicht. Nich, aber wie ich nun da im Krankenhaus lag und nun noch den Oberschenkelhalsbruch hatte. (.)Und is ja nun auch alles gut gegangen, aber ich habe nun gesagt: Nein, jetzt traue ich mich nicht mehr in meine Wohnung. Deshalb bin ich hier gelandet. Nach einigen warten. Ich brauchte ja nun nicht so lange zu warten, weil ich ja schon zich Jahre angemeldet war. Und dis Haus hat ja hier ein sehr guten Ruf. Und kann ich auch bestätigen. Also. Mein Sohn hat sich trotzdem noch viele andere Häuser angeguckt. Also katastrophal. Wo die Leute sich wirklich nicht wohl fühlen." (3. Interview)
Aspekte wie Unterordnung oder Anpassung an neue Gepflogenheiten im Heim werden weniger problematisch wahrgenommen und stellen eher eine normale, gewöhnliche Erfahrung dar, die dann auch mehr oder weniger den Erwartungen hinsichtlich der Lebensbedingungen im Heim entspricht. Zwar tragen Aspekte wie weniger Selbstbestimmung im Heim nicht zu einer gesteigerten Zufriedenheit insgesamt bei; aber dennoch kann man sich mit der Situation abfinden und darüber hinaus da Beste daraus machen, so dass sich zumindest ein Minimum an Wohlbehagen und Selbstzufriedenheit einstellt. Für sich allein stellt die Art des Ablaufs des Heimübergangs keinen hinreichenden Faktor dar, um von da auf die Art des Umgangs mit den anderen Bewohnern und auf das Ausmaß an Einsamkeit im Heim zu schließen. Zu viele Faktoren müssen gleichzeitig betrachtet werden (z.B. Qualität und Quantität des außerinstitutionellen Netzwerkes, vorhandene Erfahrungswerte im Umgang mit anderen Menschen). Aber der Heimübergang beeinflusst vermutlich - zumindest zum Teil - das Anpassungsverhalten und die Reaktionen eines Bewohners auf seine Umwelt und bestimmt somit auch Tendenzen zu Solidarität oder Separation innerhalb der Bewohnergemeinschaft (siehe Kapitel 4.4.). Stellt der Heimübergang eine Belastung oder ein traumatisches Ereignis dar (so wie es bei einem Großteil der Bewohner der Fall ist), sind die individuellen Möglichkeiten, mit den Bedingungen in der "totalen Institution" zu recht zu kommen, schon im Vorfeld durch Stress und Anspannung eingeschränkt. Das Verhalten in Interaktionsprozessen wird dann auch durch einen physischen und psychischen Zustand bestimmt, der im Zuge des Heimübergangs entstanden ist (Depression, Traurigkeit, Schwäche usw.) und je nach Stabilität das Interagieren erleichtern oder erschweren kann. Bewohnern, die sich unwohl fühlen, fällt es schwerer, Sozialkontakte zu den Mitbewohnern zu knüpfen. Von daher kann man davon ausgehen, dass diejenigen, die das Gefühl haben, ihre eigene Zukunft mitbestimmen zu können, sich schneller mit der neuen Situation arrangieren und sich aufgeschlossener den anderen Bewohnern gegenüber zeigen.
Dass der Heimübergang ein positives Erlebnis darstellt und den Charakter eines normalen Umzugs von einer Wohnung in die andere hat, ist eher ein Ausnahmefall. Begünstigt wird ein positiver Heimübergang vermutlich durch die Abwesenheit traumatischer Ereignisse vor dem Heimübergang, insbesondere Verwitwung, aber auch durch die Möglichkeit, auf Empfehlungen anderer zurückgreifen bzw. sich Vorschläge zu passenden Einrichtungen einholen zu können. Wichtig ist sicherlich auch das Vorhandensein von nahe stehenden Personen (Angehörige, Freunde, Bekannte), die bereit sind, sich Einrichtungen anzuschauen und nach den Bedürfnissen des älteren Menschen zu beurteilen, falls der eigene Gesundheitszustand dies nicht zulässt. Natürlich zahlt es sich auch aus, wenn man zusammen mit dem Partner oder einem Freund in die Einrichtung ziehen kann, wodurch von Anfang an die Möglichkeit eines Vertrauenspartners gegeben ist. Das folgende Zitat stammt von einer Bewohnerin, deren Heimeinzug umfassend positiv ablief: freiwillig, zusammen mit einer Freundin, mit der Person, mit der sie vorher schon lange zusammen gelebt hatte, insgesamt positive Herangehensweise, selbständige Auflösung der Wohnung und Veräußerung der persönlichen Gegenstände, kein akuter Gesundheitszustand, langsame Vorbereitung auf den Wohnungswechsel.
"Also ich war erkrankt, ich hatte Schlaganfälle und wurde versorgt vom Roten Kreuz. Und da war eine Pflegerin dabei, die mich mal bat, ob sie das Telefon benutzen darf. Und ich ließ sie telefonieren und da hörte ich, wie sie mit einem Altenheim telefonierte. Und das war mit hier. Und zwar, erklärten sie mir nachher, dass das so ein gutes Heim wär und da würde sie gerne arbeiten und sie fragt ab und zu, ob ne Stelle frei ist. Und da hab ich gleich sie gebeten, dass sie mir hilft. Und ich wohne mit einer Kindergärtnerin zusammen, die mit mir Jahre lang gearbeitet hatte und auch in Pension war. Und die meldete sich auch gleich dazu. Da haben wir erst gute Bekannte hierher geschickt, um sich es anzusehen. Und haben uns dann auf die Warteliste gesetzt. Die ist zuerst rein gekommen, weil die schon weltabgewandter war. Die war auch 98. Und war nicht mehr so fit. Und da habe ich verzichtet auf den Platz und habe sie erst gelassen, damit ich die Wohnung nehme und auflösen konnte." (6. Interview)
Ein positiver Heimübergang wird also zum einen begünstigt durch individuelle Ressourcen, zum anderen durch die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Informationen zu passenden Einrichtungen. Wie bereits schon angedeutet, organisieren in der Mehrheit die Angehörigen den Heimübergang allein und zwar häufig noch unter Zeitdruck. Häufig werden die Angehörigen mit der Tatsache überrascht, dass der zukünftige Bewohner nicht mehr in der Lage ist, sich selbstständig versorgen zu können. Demzufolge werden sie in die Lage gedrängt, möglichst schnell eine Entscheidung treffen zu müssen, wie sie die Versorgungsleistung zukünftig sicher stellen wollen. Fällt die Entscheidung auf eine stationäre Einrichtung, haben die Angehörigen häufig keine große Auswahl, sondern dürfen sich glücklich schätzen, wenn sie so kurzfristig überhaupt einen Heimplatz finden können. Allerdings trifft dies nicht für Personen zu, die über einen ausreichenden finanziellen Spielraum verfügen und bei der Heimauswahl ein größeres Spektrum an Einrichtungen in Betracht ziehen können, was sicherlich die Auswahl erleichtert. Die finanziellen Verhältnisse spielen also auch bei der Art und Weise des Ablaufs des Heimübergangs eine Rolle.
"Ich hatte zwei Schlaganfälle, Gehirninfarkt und Herzinfarkt und da meine Kinder im Ausland sind, musste ich ja eine Pflege haben und da bin ich eben hier gelandet. Meine Kinder waren dann hier; meine Tochter hat mich noch 7 Wochen zu Hause gepflegt, weil noch kein Zimmer frei war. Die sind in Berlin durch die Gegend gefahren und haben sich dieses Haus angesehen. Das war ihnen sympathisch und dadurch bin ich hierher gekommen. (.) Und weil mein Sohn hier auch wohnt, in der Nähe, der wohnt nicht weit weg, und die hatten schon mal sich das angesehen. Und denn sind sie hierher. Also, gesagt, Mama, du kannst dir nicht vorstellen, was wir gesehen haben. Und das in heutiger Zeit, was so hoch entwickelt sein soll. Tja." (4. Interview)
Da die Suche nach einem Heimplatz nicht immer so günstig abläuft, wäre eine gesicherte Zugänglichkeit zu Informationen unbedingt notwendig. Folglich ist es auch notwendig, dass die verschiedenen Einrichtungen der stationären Altenhilfe in ihrer Öffentlichkeitsarbeit nicht nur die potentiellen Bewohner als Adressaten berücksichtigen sondern auch deren Angehörige. Die Öffentlichkeitsarbeit sollte darauf abzuzielen, dass sich ältere Menschen frühzeitig gemeinsam mit ihren Angehörigen mit der Möglichkeit eines Heimeinzugs auseinandersetzen und auch gemeinsam Einrichtungen besichtigen und notwendige Entscheidungen gemeinsam treffen.

